„Sempre schaffa“ gilt auch für ihn

Kultur / 03.05.2015 • 20:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Beim Davidstern mit Skifahrern hat sich Tone Fink von Vorgefundenem leiten lassen. Foto: Ursula Dünser  

Beim Davidstern mit Skifahrern hat sich Tone Fink von Vorgefundenem leiten lassen. Foto: Ursula Dünser  

Der Künstler Tone Fink hat mit der Bemalung eines Hauses begonnen. Es erzählt eine starke Geschichte.

Hohenems. (VN-cd) Eine zweite Haut wird das Haus in der Harrachgasse 5 in Hohenems demnächst überziehen. Die Schutzpanzerung ist – ob flach gezeichnet oder gleich dreidimensional ausgeführt – eines der Markenzeichen des bekannten Vorarlberger Künstlers Tone Fink (71). Seine Arbeiten auf großem Trägermaterial auszuführen, Gewänder, Skulpturen, Möbelstücke oder ganze Bühnenbilder zu schaffen – davor hat sich Fink noch nie gescheut.

Und selbst eine mehrere Meter hohe Fläche konnte den Künstler nicht abschrecken. Wer sein Œuvre über die Jahre beobachtet hat, erinnert sich vielleicht noch daran, dass es Tone Fink einmal sogar mit der Glashaut des Kunsthauses Bregenz aufnahm. Mit Pinsel und weißer Farbe erhielt die milchige Wand für einige Zeit ein Muster, das durchaus poetisch anmutete, aber auch als Panzerung zu deuten war. Sich mit einem Haus in Hohenems zu beschäftigen, wozu Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museum, den Anstoß gab, war, wie Fink im Gespräch mit den VN erläuterte, im Vergleich dazu nicht unbedingt eine kleinere Aufgabe, bei der Ideenfindung konnte er sich aber auf die Geschichte des Gebäudes stützen, hat somit Muster und Motive entworfen, die einerseits seiner künstlerischen Handschrift entsprechen, andererseits den Betrachtern aber auch konkrete Denkanstöße liefern.

Thema Migration

„Sempre schaffa“ steht auf der unteren Fensterfront zu lesen. Arbeiter, die vor Jahrzehnten aus Italien nach Vorarlberg gekommen sind, haben den Spruch geprägt. Einen Davidstern, an dessen Zacken Sportler bzw. Skifahrer abgebildet sind, hat er als Motiv in einem Buch im Jüdischen Museum vorgefunden und übernommen. Menschen mit Koffern in der Hand werden noch gemalt, weil es ihm wichtig ist, auf das Thema Migration hinzuweisen. Symbole wie Lämmer oder eine Hand, die im jüdischen wie im arabischen Kulturkreis Bedeutung hat, kommen in den nächsten Tagen hinzu.

Bis zum Start des Kulturfestivals „Emsiana“, das Ende Mai in Hohenems stattfindet, wird die Bemalung fertig sein.

Bewegte Geschichte

Das Haus in der Harrachgasse 5 gehörte einst der jüdischen Familie Rosenthal. Bewohnt wurde es unter anderem auch vom Kantor Josef Stark, der aus Mähren nach Hohenems kam, um hier in der Synagoge zu wirken. Ende des 19. Jahrhunderts verkauften es die Rosenthals an einen böhmischen Bandweber, später zog die aus Trient stammende Familie Collini hier ein und eröffnete eine Messerschleiferei. Dann lebten hier aus der Türkei zugewanderte Arbeiter.

Auch davon will Tone Fink mit kleinen bildlichen Anmerkungen berichten, bevor das Haus in den nächsten Jahren umfassend renoviert werden soll.

Die Leute sollen sich mit den Motiven beschäftigen können.

Tone Fink
Haus Harrachgasse 5 in Hohenems.  

Haus Harrachgasse 5 in Hohenems.