„Unordnung nervt mich sehr“

Vorarlberg / 03.05.2015 • 20:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Werde mein Leben nicht über den Haufen werfen, nur weil ich Bürgermeister bin“: Raimund Schuler. Fotos: MK
„Werde mein Leben nicht über den Haufen werfen, nur weil ich Bürgermeister bin“: Raimund Schuler. Fotos: MK

Bergretter übernimmt in St. Anton im Montafon die Funktion des Gemeindeoberhauptes.

St. Anton. Knapp fünfzehn Jahre sitzt der gelernte Elektrotechniker als Gemeindevertreter im Rathaus der Montafoner Gemeinde St. Anton. Nun tritt Raimund Schuler das Erbe von Rudi Lerch als Bürgermeister an. Schuler, der sich nach 29 Jahren als Angestellter einvernehmlich von der Montafonerbahnen AG getrennt hat, engagiert sich ehrenamtlich sowohl bei der Bergrettung als auch beim Musikverein. In der Gemeinde hat der dreifache Familienvater gemeinsam mit elf Volksvertretern das Sagen.

Herr Schuler, was hat Sie so besonders gereizt am Amt des Gemeindeoberhauptes?

Schuler: Eigentlich wollte ich mich aus der Gemeindepolitik zurückziehen und einem Jüngeren Platz machen. Anfang dieses Jahres fragte mich der damaligen Bürgermeister Rudi Lerch, ob ich nicht seine Nachfolge antreten möchte. Damit begann mein Interesse, an vorderster Front die Heimatgemeinde weiter mitzugestalten, zu wachsen. Jetzt stehe ich vor einer großen, neuen beruflichen Herausforderung.

Was werden Sie als Bürgermeister als erstes Thema angehen?

Schuler: Ich bin in der glücklichen Lage, Zeit dafür zu haben, mich einzuarbeiten. Großprojekte wie Trinkwasserversorgung oder das Löschwassernetz und die Beheizung des Gemeindezentrums wurden während der Amtszeit meines Vorgängers in den letzten Jahren bereits abgewickelt. Was ich intensivieren möchte, ist die Suche nach einem Gemeindearzt, und bin zuversichtlich, dass wir einen finden werden.

Sie wirken ruhig und besonnen, gibt es etwas, das Ihnen auf die Nerven gehen kann?

Schuler: Unordnung oder nicht organisiertes Arbeiten, damit kann ich schwer umgehen. Ich muss beim Arbeiten eine Übersicht haben und wissen, in welcher Schublade oder in welchem Ordner bestimmte Dinge zu finden sind. Wir haben gerade in den letzten drei Tagen hier im Büro eben diese Ordnung geschaffen. Nur so kann ich auch arbeiten.

Wann und wie gelingt es Ihnen am besten, abzuschalten und neue Kraft zu tanken?

Schuler: Das gelingt mir am besten in den Bergen oder beim Klettern. Ich werde bei der Bergrettung und als Blasmusikant aktiv bleiben und habe von Anfang an gesagt, dass ich mein Leben nicht komplett über den Haufen werfe, nur weil ich Bürgermeister bin.

Wie wurden Sie von Ihren ehemaligen Lehrpersonen eingeschätzt?

Schuler: Da würden sich jetzt bestimmt einige der Lehrer darüber wundern, dass ich jetzt Bürgermeister bin. Ich war in der Schule ein relativ fauler Schüler. Die Note Befriedigend hat mir immer gereicht.

Was soll einmal über Sie gesagt werden, wenn Sie nicht mehr Bürgermeister sind?

Schuler: Dass ich gut in die Schuhe meiner Vorgänger Siegi Stemer und Rudi Lerch gepasst habe. Sowohl Stemer als Lerch haben viel bewegt.

Wie sieht es mit den Finanzen der Gemeinde aus, haben Sie noch frei verfügbare Mittel?

Schuler: Wir haben heuer zwar ein Sparbudget beschlossen, dürfen uns aber über gesunde Finanzen freuen. Uns stehen derzeit noch frei verfügbare Gelder in einer überschaubaren Höhe zur Verfügung.

Stichwort Finanzen: Sind Sie mit Ihrem Bezug zufrieden und was bleibt Ihnen monatlich netto?

Schuler: Mein Bezug steht noch nicht fest, er wird in der ersten Gemeindesitzung beschlossen und soll sich an jener Gehaltshöhe orientieren, die mein Vorgänger erhalten hat.

Kurz gesagt . . .

Absolute Mehrheit: Hoher Vertrauensbeweis der Bevölkerung

Freunderlwirtschaft: Negativ behaftet, Freunden zu helfen sollte selbstverständlich sein

Lebensglück: Gesundheit, Familie , gute Freunde

Politikverdrossenheit: Durch mehr direkte Demokratie ausmerzen

Parteifreund: Ein Freund ist ein Freund, ob Partei oder im sonstigen Leben

Freizeit: Mit der Familie verbringen, Wandern, Klettern , Skifahren

Erstwähler: Interessieren sich sehr für Lokalpolitik

Lebensqualität: Ist im Dorf und in der Talschaft sehr groß

Netzwerke: Facebook und Co. nütze ich nicht, ist mir zu privat

Lebensabend: Gesund mit meiner Familie genießen

St. Anton

» Gemeindegröße: 3,42 km2

» Einwohner: 790

» Jahresbudget: 1.634.000 Euro

» Pro-Kopf-Verschuldung:
2390 Euro

» Betriebe: 13

» Beschäftigte: ca. 65 Personen

Zur Person

Raimund Schuler

Geboren: 26. November 1961

Familie: verheiratet, drei Kinder

Beruf: Elektrotechniker

Hobby: Musik, Wandern, Bergsteigen

Lebensmotto: Man kann immer nur so nett sein, wie der andere es zulässt.