Wie ein Seiltanz über dem Abgrund

Politik / 03.05.2015 • 22:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Steht Griechenland bereits an der Schwelle zur Volksdemokratie?

Athen. Anfang Mai warten Griechenlands Gläubiger immer noch auf handfeste Einsparungs- und Rückzahlungsvorschläge der neuen Linksaußen-Regierung in Athen. Bisher liegen nur wenig ernst zu nehmende Angebote wie die Anwerbung von Touristen als Steuerfahnder oder zuletzt die flehentliche Bitte an Griechenlands Millionäre und sogar Milliardäre vor, ihre in der Schweiz gebunkerten „Notgroschen“ freiwillig dem heimatlichen Fiskus zu deklarieren. Die Griechen nennen ihren für solche Schmähs schon berüchtigten Finanzminister Janis Varoufakis inzwischen „Baroufakis“. Das bedeutet „Possenreißer“. Im Athener Anarchistenviertel Exarchia wurde er als solcher jetzt sogar angepöbelt. Nicht mit erboster Spannung wie Brüssel, Berlin und inzwischen auch Wien, sondern der Verzweiflung nahe harren die griechischen Rentnerinnen und Pensionisten darauf, ob und wie ihre ohnedies ans Existenzminimum herabgekürzten Bezüge weiter ausbezahlt werden können. Ende April war das schon einmal an der Kippe, als die Renten zum üblichen Termin ausblieben. Der Regierung Tsipras gelang es erst zum Monatsultimo nach Plündern ihrer letzten Reserven, den Alten und Invaliden, Witwen und Waisen gerade noch vor dem 1. Mai aus der Patsche zu helfen.

Rückkehr zur Drachme

Alexis Tsipras denkt jetzt überhaupt laut über eine Volksabstimmung zum Austritt aus der Eurozone, eine Rückkehr zur Drachme und Etablierung einer geradezu sowjetischen Zwangswirtschaft nach. Sein radikaler Flügel im Linksblock Syriza würde darob nur aufjubeln. Der bürgerlichen Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) gibt das hingegen Aufschwung. Sie fordert rasch Neuwahlen. Die will Tsipras jedoch vermeiden, da seine Abwahl vorprogrammiert scheint. Doch stellt sich die Frage, inwieweit die rechtsnationalen „Unabhängigen Griechen“ ihren Koalitionspakt mit dem Syriza weiter honorieren wollen, wenn Tsipras erklärt volksdemokratische Wege einschlägt. Auch hat Griechenlands einstiger Wirtschaftswunderknabe, der­ sozialdemokratische Altpremier Kostas Simitis, nun sein langes Schweigen gebrochen und der Riege Tsipras-Varoufakis ein „Herumtappen im Dunkel“ vorgeworfen. Die  Tageszeitung „Kathimerini“ spricht sogar vom „Seiltanz über dem Abgrund“.