Begegnung mit einem Klangtüftler

Kultur / 04.05.2015 • 20:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Moosbrugger assistiert bei der Aufführung des Werkes für Truhenorgel (Vandewalle) und Clavichord (Shichijo).  Foto: Jurmann  
Moosbrugger assistiert bei der Aufführung des Werkes für Truhenorgel (Vandewalle) und Clavichord (Shichijo). Foto: Jurmann  

„Ensemble Plus“ präsentierte Werke des Komponisten Alexander Moosbrugger

BREGENZ. (ju) Vier Musiker sitzen im Halbkreis auf der Bühne, lesen stumm einen Text von Arthur Schnitzler, artikulieren sich nur über Klappengeräusche auf Flöte oder Bassklarinette, bzw. Col-Legno-Tupfern bei Violine und Cello, das ist der wohl eindrucksvollste Teil eines Konzerts mit Musik des Komponisten Alexander Moosbrugger (42), den das „Ensemble Plus“ am Sonntag in seiner „Sul palco“-Reihe im Vorarlberg Museum porträtierte.

Der gebürtige Schoppernauer machte sich im Land als Kurator seiner Reihe „0 – Tage aus Kunst“ (2000–2008) und der „bludenzer tage zeitgemäßer musik“ (2007–2013) einen Namen und lebt heute als viel beschäftigte Kapazität für neue Musik in Berlin. In seinen Werken verbindet der ausgebildete Organist Erkenntnisse seiner historischen Musikforschungen mit aktuellsten Kompositionstechniken und neuesten Klangerzeugern. Das zeigt auch sein erstes Werk mit dem Titel „Charlotte Dualé, Maria Dabow, Stefanie Kägi“ (2014), das großen logistischen Aufwand an Tasteninstrumenten auf der kleinen Bühne erfordert. Moosbrugger erläutert, wie er hier als Komponist mit verschiedenen Stimmungen spielt, die dabei selbst zu Musik werden: In einem cantus firmus für zwei Synthesizer, der Gegenüberstellung einer Truhenorgel in Schwebung mit einem kaum hörbaren, mitteltönig gestimmten Clavichord von 1796 sowie einem vierhändig gespielten Flügel in „temperierter“ Stimmung, als kontrastierender Dialog in virtuosem Klangspiel von Tönen und Intervallen. Zwei Spezialisten ihres Faches, Daan Vandewalle aus Gent und Keiko Shichijo aus Amsterdam, realisieren diese filigranen, zarten Töne in berückender Vielfalt der Klänge und Farben, die sich in oft winzigen Motiven Platz schaffen.

Intensiv

Als Klangtüftler von faszinierender Wirkung erweist sich Moosbrugger auch im einleitend beschriebenen Werk mit dem Titel „Skalen, Texte, Maß“ (2008), in dem er je zwei Blas- und zwei Streichinstrumente als „Doppel-Duo“ einander gegenüberstellt und ihr dunkles Klangspektrum in Tonleitern mit vielen Vorzeichen ausloten lässt. Das letzte Stück, „Books – Encore für Klavier“ (2005), verrät dann endgültig die Verwurzelung des Komponisten in der Alten Musik. Bachs b-Moll-Präludium wird hier zur Grundlage eines komplexen Spiels mit Tonhöhenveränderungen und figurativen Elementen, bis Bach am Schluss (fast) original erklingt. Ensemble-Chef Andreas Ticozzi an der Bratsche und Cellistin Jessica Kuhn ergänzen das Programm mit atemberaubenden Solostücken von John Palmer und Franghis Ali-Zadeh. Ein intensiver Vormittag mit neuesten Klängen, die man freilich lieber in einer angenehmeren Akustik konsumiert hätte. Eine kleine, begeisterte Zuhörerschaft feiert Moosbrugger und die Musiker herzlich.

28. Mai, 20 Uhr, ORF-Funkhaus Dornbirn: Neue Musik im Gespräch – Werke von Michael Floredo und Wolfgang Lindner („Ensemble plus“, Moderation: Bettina Barnay)