Noch immer am Gang, aber nicht nur am Rand

Kultur / 04.05.2015 • 20:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In Teilen des Vorarlberg Museums wird bildende Kunst nun nach neuem Konzept präsentiert. Foto: VN/Paulitsch

In Teilen des Vorarlberg Museums wird bildende Kunst nun nach neuem Konzept präsentiert. Foto: VN/Paulitsch

Christine Lederer hat sich um mehr Kunst im Vorarlberg Museum bemüht und steht vor offenen Fragen.

Bregenz. (VN-cd) Wo nicht mehr Platz ist, kann auch schwer welcher geschaffen werden. Vor diesem Problem stand die Bludenzer Künstlerin Christine Lederer (39), als sie den Auftrag erhielt, sich ein Konzept für Bereiche mit bildender Kunst im neuen Vorarlberg Museum in Bregenz zu überlegen. Freie Hand hatte ihr Museumsdirektor Andreas Rudigier gewährt, damit aber kein falscher Eindruck entsteht, sei erwähnt, dass es sich um jene Arbeiten handelt, die der Schausammlung „buchstäblich vorarlberg“ angegliedert sind und die in einzelnen Vitrinen in den Gängen des Hauses zu sehen sind.

Themenausstellungen wie das zentrale landeskundliche Projekt „Making of“, in dem ebenfalls Beispiele aus dem Kunstschaffen über die Jahrhunderte zwischen anderen Objekten verteilt sind, sollten von den Eingriffen der Künstlerin unberührt bleiben.

Lederer, die jüngst im Kunstverein Friedrichshafen eine Einzelausstellung realisierte, verstand die Aufgabe als besondere Herausforderung, einmal nicht als Künstlerin zu agieren, sondern auch ihre Kenntnisse auf dem Gebiet des Grafik-Designs einzubringen und umfassende Recherchen durchzuführen. Das Ergebnis war in mehrfacher Hinsicht ernüchternd, denn der Platz, der im Vorarlberg Museum für die bildende Kunst zur Verfügung steht, ist grundsätzlich ein kleiner, und zudem behagte es ihr nicht, dass viele Arbeiten mehr oder weniger in den Gängen hängen. Einzelne Werke (etwa eines von Svetlana Heger) hat sie den entsprechenden Bereichen in der Schausammlung „buchstäblich vorarlberg“ zugeordnet, die Arbeiten am Gang wurden reduziert, damit sich der Fokus erhöht. Alle vier Monate werden sie durch andere ersetzt. Auf Kombinationen zu setzen, hielt sie ebenfalls für angebraucht. Ein Objekt der Ausnahmekünstlerin Annemarie Jehle findet man nun neben einem Werk des bekannten Fotokünstlers Gerhard Klocker. 

Unzulängliche Sammlung

Abgesehen von der Kritik an der Präsenz der bildenden Kunst im Museum hat sie auch feststellen müssen, dass die Sammlungsbestände verbesserungswürdig sind. Lederer: „Es wurde sehr kleinteilig gesammelt, man hat dadurch zwar viele Künstler unterstützen können, aber nicht darauf geachtet, dass die Arbeiten im Kontext zu erfassen sind.“ Wünschenswert wäre, so Christine Lederer, eine verbesserte Kooperation zwischen Ankäufern des Landes und des Museums. „Was fehlt, ist ein klares Sammlungskonzept.“ Abgesehen vom „altbackenen“ Begriff Landesgalerie vertritt sie die Meinung, dass das Land Handlungsbedarf hat, wenn im Museum der Platz für die Präsentation von Kunst fehlt. Wichtig wäre es, hält sie fest, jetzt ein Bild bzw. ein Konzept auszuarbeiten.

Was fehlt, ist ein klares Sammlungskonzept des Museums und der Ankäufer in der Landeskommission.

Christine Lederer

Die Ausstellung „Greatest Hits by Christine Lederer“ wird am 5. Mai, 18 Uhr, im Vorarlberg Museum eröffnet. Anschließend Diskussion.