Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Wir sind nicht am Aussterben

Kultur / 04.05.2015 • 20:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

In anderen Bundesländern sieht man die Sache etwas gelassener, vielleicht auch professioneller, in Vorarlberg ist der Begriff Landesgalerie ein Unwort. Wer ihn – etwa bei Diskussionen über die Präsenz bzw. Absenz der bildenden Kunst im neuen Vorarlberg Museum– ins Treffen brachte, wurde umgehend belehrt, dass das Haus im Zentrum von Bregenz eben kein Kunstmuseum ist oder dass mit einer Landesgalerie kein Staat mehr zu machen ist. Konkret: Da geht keiner hin.

Interessanterweise baut man in Krems nun genau so ein Haus. Geplant haben es ausgerechnet die Vorarlberger Architekten Stefan und Bernhard Marte, heißen wird der markante Bau „Galerie Niederösterreich“. Kunst bis herauf zur Gegenwart wird man sehen, alle freuen sich und jeder rechnet damit, dass das Museum ein Anziehungspunkt erster Güte wird.

In Vorarlberg reicht das Thema Landesgalerie mindestens bis in die 1980er-Jahre zurück. Nachdem sich einst auch Feldkirch als Standort einbrachte, wurde in Bregenz ein Bau vorgesehen. Mit dem Plan, ein Kunsthaus errichten zu wollen, hätte sich damals wohl kein Politiker durchsetzen können, dass dem Land, der Stadt mit großen Musiktheater-Festspielen und der Region nichts Besseres passieren konnte als eben dieses Kunsthaus mit internationaler Ausrichtung, steht inzwischen allerdings außer Zweifel.

Den Vorarlberger Künstlern hat es in den letzten 18 Jahren gedient und dient es weiterhin, zur Präsenz des regionalen Kunstschaffens konnte es verständlicherweise eher wenig beitragen. Protagonisten der Kunstgeschichte gehören nicht hinein, renommierte Zeitgenossen tauchen im Ausstellungsprogramm immerhin auf.

Am Begriff darf ein kulturpolitischer Auftrag allerdings nicht scheitern. Mit „Galerie Vorarlberg“ oder derartigem könnten vermutlich einige leben, denen der Name Landesgalerie zu veraltet erscheint. Nicht mehr tragbar ist es, sich des Themas überhaupt nicht anzunehmen.

Wenn im schönen Vorarlberg Museum kein oder zu wenig Platz für die bildende Kunst ist, gilt es, Alternativen zu schaffen. Ein Schaudepot neben den Depoträumen des Museums fand bereits Erwähnung. Weitere Räumlichkeiten in der Alten Post, die als viertes Haus die Reihe mit dem Museum, dem Theater und dem Kunsthaus fortsetzt, wären von der Kulturhäuser Betriebsgesellschaft ebenso noch zu sichern. Und gelegentlich hört man von den Fachleuten, die es bislang gewagt haben, Kritik an den Ausstellungen im Vorarlberg Museum zu üben, dass man auch ein neues Galeriegebäude errichten könnte.

Freilich bedingen alle diese Überlegungen auch eine stringente Ankaufspolitik. Dass sich in den Sammlungen auch Schrott eingenistet hat, dass in der Vergangenheit nicht nur die Qualität der Werke ausschlaggebend für den Erwerb war, muss zugegeben werden.

Nichtsdestotrotz dürften jene Zeitgenossen, die enormes Interesse daran haben, sich mit dem Kunstschaffen im Land intensiv und umfassend auseinanderzusetzen, wohl nicht einer aussterbenden Gattung angehören.

Wenn im schönen Vorarlberg Museum kein oder zu wenig Platz für die bildende Kunst ist, gilt es, Alternativen zu schaffen.

christa.dietrich@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-225