Das Alter ist ein Bonus, kein Malus

Markt / 05.05.2015 • 21:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Von den Erfahrungen älterer Mitarbeiter können ein Unternehmen und seine Mitarbeiter viel profitieren.  Foto: Clem
Von den Erfahrungen älterer Mitarbeiter können ein Unternehmen und seine Mitarbeiter viel profitieren. Foto: Clem

Arbeitslosenzahlen sind schonungslos: Rund 25 Prozent der Arbeitssuchenden sind über 50 Jahre alt.

Schwarzach. (VN-sca) Wer in diesem Alter seine Arbeit verliert, tut sich schwer, einen neuen Job zu finden, die Vermittlungschancen, so ein großer Vorarlberger Personalberater, tendieren gegen Null. Und die politische Diskussion tut das Ihre dazu. Das vorgeschlagene Bonus-Malus-System trifft bei den Wirtschaftstreibenden auf einhellige Ablehnung. Die Idee, die von Sozialminister Rudolf Hundstorfer verfolgt wird, ist schnell erklärt: Sie sieht vor, dass Unternehmen, die besonders viele Personen über 50 Jahre beschäftigen, einen finanziellen Bonus bekommen, Unternehmen, die ältere Arbeitnehmer kündigen, einen Malus.

Ins rechte Licht

Es gibt natürlich Argumente für, aber auch gegen den Plan des Sozialministers. Aber Zwang, so Manfred Rünzler, Obmann von 45plus, einer Vorarlberger Initiative, die Wissen und Potenziale älter werdender Menschen ins rechte Licht rücken will, sei nicht das geeignete Mittel, um Menschen in Arbeit zu halten. Ziel von 45plus ist es, bei den Personalverantwortlichen und Unternehmern Bewusstsein zu schaffen. Dafür stellt sie diverse Werkzeuge zur Verfügung und führt Veranstaltungen zusammen mit Unternehmen durch. Eine Zwangsjacke sei der falsche Ansatz, ist die Meinung des Vereins, lieber zeige man beispielhaftes Generationenmanagement, wie es einige Firmen sehr erfolgreich praktizieren.

„Bei den Firmen ist der Leidensdruck noch nicht sehr groß“, berichtet Rünzler aber über seine Erfahrungen. „Den meisten Führungskräften sind die guten Seiten älterer Mitarbeiter nicht so bewusst wie sie sein könnten.“ Man müsse sich in den Firmen mit den älter werdenden Mitarbeitern beschäftigen, etwa Abläufe im Betriebsalltag anpassen, deren Erfahrung auch für die Jüngeren nutzen. Allerdings sei die Bereitschaft groß, sich damit zu befassen, resümiert Rünzler die Aktivitäten des vergangenen Jahres.

Kleine Schritte

Drei Veranstaltungen mit interessierter Zuhörerschaft wurden bei Unternehmen durchgeführt, freut sich der Trainer für Führungskräfte und Mitarbeitende im Gespräch mit den VN. „Wir können so mit kleinen Schritten etwas bewegen“ stellt er fest und weist die Richtung für die weitere Arbeit. Heuer steht zum Beispiel eine Veranstaltung zum Thema Generationenmanagement auf der Terminliste der Vorarlberger Verpackungsindustrie, im Herbst wird es eine große Veranstaltung dazu im Festspielhaus geben.

Bewußtsein geschaffen werden soll auch mit einem Team von Experten, die der Region und dem Arbeitsmarkt im Bodenseeraum mit ihrem Fachwissen zur Verfügung stehen und ein Altersprofil der Mitarbeiterschaft erstellt und dazu die entsprechenden Empfehlungen gibt. Auch ein Workshop für Personalentwickler steht heuer auf dem Programm des Vereins.

Der Verein konnte ob seines Zwecks und des Zugangs, der eine „Win-win-Situation“ vorsieht, inzwischen auch schon prominente Fördermitglieder aus der Vorarlberger Wirtschaft gewinnen. Eine Bewusstseinsbildung sei auch deshalb wichtig, so Rünzler, weil in der politischen Diskussion die Pensionsfrage und die Anhebung des Pensionsalters immer mehr in den Mittelpunkt rücken. Für Rünzler jedenfalls ist klar, dass das Alter auf jeden Fall ein Bonus und kein Malus ist.

Vielen Führungskräften sind die guten Seiten älterer Mitarbeiter nicht genügend bewusst.

Manfred Rünzler

45 plus Fakten

» Vereinszweck: Sensibilisierung der Gesellschaft zum Thema Alt und Jung

» Obleute: Doris Zimmermann und Manfred Rünzler

» Handlungsfelder: Altersstrukturanalyse, Demografieberatung

» Mehr Informationen: www.verein45plus.biz