Stellvertreterkrieg im Jemen möglich

Politik / 05.05.2015 • 22:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Alltag im umkämpften Jemen: Ein Anhänger des Präsidenten feuert eine Waffe gegen eine Stellung der Huthi-Rebellen ab.  FOTO: REUTERS
Alltag im umkämpften Jemen: Ein Anhänger des Präsidenten feuert eine Waffe gegen eine Stellung der Huthi-Rebellen ab. FOTO: REUTERS

Arabisches Land bereits völlig abgeschnitten von der Außenwelt.

riad. (VN) Mit Gesprächen über den Konflikt im Jemen haben die Staaten des Golfkooperationsrates am Dienstag ihr Gipfeltreffen in Saudi-Arabien begonnen. Der gastgebende König Salman eröffnete das Treffen in Riad mit deutlicher Kritik am Iran: Es gebe eine Bedrohung von außen, die in der Region „ihre Kontrolle ausdehnen und ihre Vorherrschaft etablieren“ wolle, sagte Salman Richtung Regierung in Teheran. Beobachter befürchten angesichts der Kämpfe im Jemen einen Stellvertreterkrieg zwischen dem sunnitischen Königreich Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran.

Erstmals seit seiner Gründung 1981 tagte der Golfkooperationsrat im Beisein eines westlichen Staatschefs, des französischen Präsidenten François Hollande. Dieser zeigte sich beunruhigt über die „Destabilisierung“ des Jemen und bekräftigte die Unterstützung Frankreichs für die mehrheitlich sunnitischen Golfstaaten in dem Konflikt. Saudi-Arabien führt eine arabische Militärallianz an, welche die im Jemen vorrückenden schiitischen Huthi-Rebellen seit März mit Luftangriffen bekämpft. Riad wirft Teheran vor, die Houthi-Rebellen zu unterstützen. Jemens Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi war vor den Rebellen geflohen und hatte sich nach Riad abgesetzt.

Fünf der sechs Mitgliedstaaten des Golfkooperationsrates unterstützen das Vorgehen gegen die Huthi-Rebellen; der Oman hingegen könnte wegen seiner guten Beziehungen zu Teheran als Vermittler in dem Konflikt auftreten. Laut Medienberichten unterstützt Frankreich die arabische Allianz unter anderem mit Satellitenaufklärung über militärische Ziele. Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte überdies, mit der Regierung in Riad werde derzeit über 20 Wirtschaftsprojekte im Wert „von mehreren Dutzend Milliarden Euro“ gesprochen. Der iranische Staatschef Hassan Ruhani äußerte derweil scharfe Kritik an Ländern, die Waffen in die von Gewalt erschütterte Region liefern, ohne Frankreich beim Namen zu nennen.

Humanitäre Katastrophe

Inzwischen ist der Jemen von der Außenwelt abgeschlossen, der Flughafen bei Aden ist nach Bombardements gesperrt, das saudische Bündnis blockiert den Meereszugang, die Bevölkerung hat kaum Zugang zu Nahrung und Medikamenten. Die UNO warnte am Dienstag vor einer humanitären Katastrophe und forderte eine Waffenruhe.