Terror und unerträgliches Leid

Politik / 05.05.2015 • 22:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Schmerz, Trauer, Verzweiflung, Wut: Die Zivilbevölkerung in Aleppo wird immer öfter Ziel verheerender Luftschläge der syrischen Armee.  FOTO: REUTERS
Schmerz, Trauer, Verzweiflung, Wut: Die Zivilbevölkerung in Aleppo wird immer öfter Ziel verheerender Luftschläge der syrischen Armee. FOTO: REUTERS

Ausmaß der humanitären Katastrophe in Syrien immer dramatischer. UNO vermittelt.

aleppo. (VN) Nach massiven Angriffen habe eines der wichtigsten Spitäler in Aleppo im Norden Syriens den Betrieb einstellen und zusperren müssen, teilte die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) am Dienstag mit: In den vergangenen Tagen seien Raketen und vor allem Fassbomben nahe der Klinik eingeschlagen – mit Metallstücken, Benzin und Sprengstoff gefüllte Bomben. Ob der schweren Schäden sei unklar, ob oder wann das Spital wieder geöffnet werden könne. Die Al-Sachur-Klinik war für die Versorgung von etwa 400.000 Menschen zuständig. Laut MSF habe schon im April ein Spital in Aleppo nach wiederholten Angriffen schließen müssen. Für immer mehr durch Gefechte zwischen Regierungstruppen und Aufständischen Verwundete gebe es immer weniger medizinische Hilfe.

Verheerende Fassbomben

Fassbomben, von Hubschraubern der syrischen Armee abgeworfen, haben laut Amnesty International (AI) seit 2012 mehr als 11.000 Zivilisten in dem Bürgerkriegsland getötet, Hunderttausende verwundet. Das Militär verbreite damit „Terror und unerträgliches Leid“, erklärte AI am Dienstag. Angesichts der Kämpfe in der einstigen Wirtschaftsmetropole Aleppo erhob AI auch schwere Vorwürfe gegen die Aufständischen. Aleppo ist seit Mitte 2012 die umkämpfteste Stadt im Bürgerkrieg, in dem bereits mehr als 220.000 Menschen starben.

„Weit verbreitete Gräueltaten, vor allem das teuflische und unnachgiebige Bombardement ziviler Viertel durch Regierungstruppen, machen das Leben für Zivilisten in Aleppo immer unerträglicher“, sagte AI-Sprecher Philip Luther. „Diese verachtenswerten Luftschläge gegen Wohngebiete deuten auf eine Strategie, die sich gezielt und systematisch gegen Zivilisten richtet, mit Angriffen, die Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen.“ Das Bombardement laufe auf eine kollektive Bestrafung der Zivilbevölkerung von Aleppo hinaus. Kämpfer beider Seiten hätten sich zudem Verbrechen wie Folter und Geiselnahme schuldig gemacht. Darüber hinaus leidet die syrische Bevölkerung auch unter dem Terror der Islamistenmiliz Islamischer Staat, die weite Teile des durch den Bürgerkrieg destabilisierten Landes unter Kontrolle gebracht und dort einen Gottesstaat (Kalifat) ausgerufen hat.

Der UN-Sicherheitsrat startete am Dienstag einen neuen Versuch, die Konfliktgegner zu Friedensverhandlungen zu bewegen. Die Chancen dafür seien zwar noch gering, sagte Sonderbeauftragter Staffan de Mistura, doch müsse alles versucht werden: „In Syrien spielt sich die größte humanitäre Tragödie seit dem Zweiten Weltkrieg ab.“ De Mistura soll in den nächsten Wochen in separaten Gesprächen mit Vertretern von Opposition und Regierung Möglichkeiten für eine Lösung des Konflikts ausloten. Gespräche mit IS-Terroristen finden nicht statt.