Von Jazzklängen und Komikern

Kultur / 05.05.2015 • 18:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nach „Monsieur Claude und seine Töchter“ überzeugt Christian Clavier (r.) erneut in einer Glanzrolle. Filmladen  
Nach „Monsieur Claude und seine Töchter“ überzeugt Christian Clavier (r.) erneut in einer Glanzrolle. Filmladen  

Christian Clavier setzt als Jazz-Fan alles daran, nur eine Stunde Ruhe zum Musikhören zu bekommen.

Komödie. Willkommen bei den Schtis“, „Ziemlich beste Freunde“, „Monsieur Claude und seine Töchter“ – das waren französische Komödienerfolge, die auch bei uns Millionen Zuschauer ins Kino zogen. Und nun kommt: „Nur eine Stunde Ruhe“ von Patrice Leconte. Leconte ist einer der großen Regisseure des französischen Kinos. Nach Meisterwerken wie „Der Mann der Friseuse“ oder „Die Verlobung des Monsieur Hire“ will der 67-Jährige nun mit Screwball-Comedy punkten. Leconte ist ein Regisseur, der sich wie nur wenige auf die Arbeit in den verschiedensten Genres versteht.

Glanzrolle für Clavier

Als Vorlage für die Komödie diente dem 67-Jährigen ein Boulevardstück des französischen Erfolgsautors Florian Zeller, das in Paris mit Fabrice Luchini inszeniert wurde. Dafür hat der 35-jährige Liebling der Pariser High Society selbst das Drehbuch verfasst. Nach „Monsieur Claude und seine Töchter“ überzeugt in der Komödie ein grandioser Christian Clavier erneut in einer Glanzrolle. Dieser tritt noch einmal in die Fußstapfen von Louis de Funès. Zwar agiert er nicht ganz so cholerisch wie sein Vorbild. Aber seine Dialoge sind gleich­zeitig komisch und hinreißend.

Die Geschichte fokussiert sich dabei ganz auf das mit Kunst und edlen Teppichen ausgestattete Altbauapartment von Zahnarzt Michel (Clavier). Hier möchte der reife Bourgeois eine Stunde in aller Ruhe die bezeichnenderweise „Me, Myself And I“ betitelte LP genießen, die er soeben als Schnäppchen am Flohmarkt ergattert hat, wenn das Leben nicht immer dazwischenkommen würde.

Seine in schwerer Psychokrise befindliche Gattin Nathalie (Carole Bouquet, bekannt als Bond-Girl „In tödlicher Mission“) möchte sich just in diesem Moment von der Seele reden, dass sie vor 20 Jahren eine Affäre mit seinem besten Freund hatte und der gemeinsame Sohn nicht von Michel ist.

Der vermeintliche Sohnemann Sebastien quartiert aus Menschenliebe eine philippinische Großfamilie ein, während die Nachbarn wegen des Regens die Sommerparty in den weitläufigen Salon des Zahnarztes verlegen. Überdies taucht noch Michels Geliebte auf, um mit Gattin Nathalie reinen Tisch zu machen, die schließlich auch ihre beste Freundin ist. Und zu allem Überfluss setzen die portugiesischen Handwerker noch die Wohnung unter Wasser.

Spritzige Dialoge

Diese immer wieder auch in relativ unbehauenen Slapstick abgleitende Turbulenz wird von Regisseur Leconte mit spritzigen Dialogen gewürzt. Wirklich bösartig oder zynisch ist das ganze Geschehen jedoch nicht.

Letztlich bietet die Komödie eine kurzweilige und harmlose Unterhaltung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. In Frankreich lockte „Nur eine Stunde Ruhe!“ nichtsdestotrotz über eine Million Zuschauer in die Kinos.

Filmdetails

» Regie: Patrice Leconte

» Hauptdarsteller: Christian Clavier, Carole Bouquet, Valerie Bonneton, Rossy de Palma, Stephane De Groodt

» läuft ab 8. Mai im Kino