Vorhang auf für das kleinste Theater der Welt

Vorarlberg / 05.05.2015 • 21:06 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Karin Feistenauer wird mit ihrem „Kamishibai“-Theater bei der „Buch am Bach“ dabei sein.  Foto: VN/Hartinger
Karin Feistenauer wird mit ihrem „Kamishibai“-Theater bei der „Buch am Bach“ dabei sein. Foto: VN/Hartinger

Karin Feistenauer (51) präsentiert bei „Buch am Bach“ eine besondere Art, Geschichten zu erzählen.

Höchst. (VN-db) Ein Kasten aus Holz, zwei Flügeltüren, die sich öffnen, und schon entsteht ein kleines Theater mitten im Raum. Das Aneinanderschlagen von zwei Hölzern läutet die Vorstellung ein, und auf der schwarz gerahmten Bühne entstehen Bilder und Geschichten.

„Kamishibai“ nennt sich das ursprünglich aus Japan stammende Papiertheater. Anfang des 20. Jahrhunderts zogen Süßigkeiten-Verkäufer mit dem Fahrrad durch das Land. Auf dem Gepäckträger die kleine Holzbühne befestigt, boten die Vorführer ihre kostenlose Vorstellung dar. Mit dem Fernseher verschwand jedoch die Populärkultur von den Straßen Japans. Karin Feistenauer hat eine Leidenschaft für das kleine Erzähltheater entwickelt. Vor etwa drei Jahren kam die studierte Übersetzerin zum ersten Mal mit „Kamishibai“ in Berührung. Sie war sofort fasziniert. Jetzt taucht die 51-Jährige im Rahmen eines Projekts tief in die Materie ein. „Das Papiertheater ist ein fast vergessenes Medium, um eine Geschichte zu präsentieren. Nicht digital und abrupt, sondern ohne Strom und Schritt für Schritt“, erklärt die Höchsterin.

Sozialer Lerneffekt

Die traditionelle kleine Holzbühne wird von der Seite bedient. Bilder werden herausgezogen und geben so den Blick auf die nächste Sequenz frei. „Spannend ist genau dieser Moment. Ich habe den Überraschungseffekt in der Hand und kann dem Publikum Zeit zum Reagieren geben“, sagt Feistenauer.

Hauptsächlich Kinder ab zwei Jahren werden mit den abwechslungsreichen Kurzgeschichten angesprochen. Dabei wird die Sprache gefördert, der Wortschatz erweitert, der Aufbau einer Geschichten- und Bildästhetik vermittelt. Das Erleben in der Gruppe fördert die Sozialkompetenz. Neben Kindergärten und Schulen könnte sich das Papiertheater auch in Seniorenheimen etablieren. Schließlich sind den Geschichten und Bildern keine kreativen Grenzen gesetzt.

Ende nächsten Monats wird Feistenauer im Rahmen von „Buch am Bach“ ihrem kleinen „Kamishibai“-Erzähl­theater Leben einhauchen.