Der Endspurt in die Downing Street

Politik / 06.05.2015 • 22:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
10 Downing Street in London, Sitz des Premiers. Heute entscheiden die Briten, wer dort einzieht.  FOTO: EPA
10 Downing Street in London, Sitz des Premiers. Heute entscheiden die Briten, wer dort einzieht. FOTO: EPA

Wahl in Großbritannien: Tories und Labour liegen laut jüngsten Umfragen gleichauf.

LONDON. (VN) Wenn die Briten heute, am 7. Mai, zur Unterhauswahl (Parlamentswahl) gehen, wird es für ganz Europa spannend. Denn der Urnengang könnte weitreichende Folgen für das Verhältnis Großbritanniens zur Europäischen Union haben.

Der konservative Amtsinhaber David Cameron hat im Falle seiner Wiederwahl zum Premierminister für das Jahr 2017 eine Volksabstimmung über den Verbleib Großbrinanniens in der Union versprochen – und will vorher die Bedingungen für die britische Mitgliedschaft von Grund auf neu aushandeln. Der „Brexit“ – der Austritt Großbritanniens aus der EU – gilt seitdem als ein denkbares Szenario.

Laut aktuellen Umfragen werden sich die konservativen Tories und die Labour-Partei heute ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, ein klarer Sieg einer der beiden Parteien zeichnet sich nicht ab. Hier die wichtigsten Protagonisten bei der Wahl:

David Cameron (48), Tories: Schon vor der Wahl hat Premierminister David Cameron von den konservativen Tories gesagt, er stehe nur noch für eine Amtszeit zur Verfügung. Cameron ist seit 2005 Parteichef und seit 2010 Hausherr in der Downing Street 10. Seither tut er sich schwer, den richtigen Weg zwischen Hardlinern in seiner Partei, dem liberalen Koalitionspartner und übergeordneten Interessen zu finden.

Ed Miliband (45), Labour: Die Briten hielten ihn lange Zeit für ungeeignet: schlecht am Rednerpult, unbeliebt bei den Wählern. Inzwischen ist das anders. Miliband, politisch lange im Schatten seines Bruders David und unter Premier Gordon Brown Energieminister, hat sich Respekt verschafft und wird inzwischen ernst genommen. Ganz nebenbei avancierte er auch noch zum Teenie-Schwarm. Er gilt dem linken Parteiflügel zugehörig.

Nick Clegg (48), Liberal Democrats: Bei der Wahl 2010 wurde Clegg als Chef der Liberaldemokraten Juniorpartner von Premier Cameron und läutete eine neue Ära ein: Erstmals seit rund 70 Jahren gab es in Großbritannien eine Koalitionsregierung. Der ehemalige Europaabgeordnete gilt als moderner und europafreundlicher Politiker. Bei jungen Leuten kommt Clegg gut an, bei der Arbeiterklasse tut der Mann aus bestem Hause sich jedoch schwer.

Nicola Sturgeon (44), Scottish National Party: Die Chefin der SNP tritt selbst nicht bei den Unterhauswahlen an, könnte aber zur Königsmacherin werden – laut Umfragen könnte ihre Partei fast alle der 59 schottischen Sitze im Londoner Parlament bekommen und damit als mögliche Koalitionspartnerin das Zünglein an der Waage werden. In Medien wird die Anwältin aus einer Arbeiterfamilie als „Königin der Schotten“ gefeiert.

Nigel Farage (51), UK Independence Party: Das frühere Mitglied der Konservativen wurde Anfang der 1990er- Jahre Mitbegründer der UK Independence Party (UKIP), die sich vehement für einen EU-Austritt Großbritanniens einsetzt. Sein wichtigstes politisches Ziel: ein Referendum über den Verbleib von Großbritannien in der Europäischen Union. Premier David Cameron bezeichnete die UKIP-Mitglieder einst als „Spinner, Irre und heimliche Rassisten“.