„Die nächste Korrektur kommt bestimmt“

Markt / 06.05.2015 • 22:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Peter Scherbaum (Standort Bregenz), Robert Karas und Christian Fegg. Foto: gms  
Peter Scherbaum (Standort Bregenz), Robert Karas und Christian Fegg. Foto: gms  

Schoellerbank-Experten: Nicht von kurzfristigen Prognosen aus Ruhe bringen lassen.

Schwarzach. (VN) Im Monat Mai ist man oft versucht, eine alte Börsenweisheit auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen: „Sell in may and go away“. Übersetzt in etwa: „Verkaufe deine Aktien im Mai und bleibe der Börse fern“. Oft noch mit dem Nachsatz versehen: „Aber vergiss nicht, im September zurückzukehren“. Die Kapitalmarktexperten der Schoellerbank, Christian Fegg (Vorstand der Schoellerbank Invest) und Robert Karas (Leiter Asset Management) halten wenig von solchen Weisheiten, genauso wenig wie von Wachstumsprognosen. Man sollte als Anleger solche statistische Daten nicht überbewerten, sind sie überzeugt.

Sich als Anleger zu fragen, ob aktuell ein guter Zeitpunkt ist, einzusteigen, oder ob eine Korrektur zu erwarten ist, sei letztlich der falsche Zugang. Das führe dazu, dass man in Aktien investiere, wenn es Rekordstände gibt. Kommt dann ein Rückschlag, folgt bald die Ernüchterung.

Aktien sind in Österreich immer noch ein Stiefkind. Sparbuch und Bausparer bleiben trotz Niedrigzinsen beliebt. Mit Aktien verbinden viele ein zu hohes Risiko. Bei der Schoellerbank sieht man eine Aktie nicht als ein Stück Papier, sondern vielmehr als ein Stück von einem Unternehmen. Der Zugang müsse daher ein anderer sein, sagen die beiden Experten. Und die Fragen ebenso. An welchen Unternehmen will ich mich beteiligen? Ist es solide aufgestellt und in einem guten Geschäftsbereich tätig, der auch noch in zehn Jahren Bestand hat? Wenn man darauf baue, sei es auch irrelevant, ob sich das Unternehmen in New York oder Paris befinde. Denn das Risiko sei am Ende nicht die Volatilität, also die Wertschwankung, sondern der Kapitalverlust, wenn ein Unternehmen beispielsweise stark überschuldet ist.

„Aktien spottbillig“

Für Christian Fegg und Robert Karas gibt es nach wie vor Aktien von Qualitätsunternehmen zu einem fairen Preis. Zwar nicht so billig wie im Jahr 2011 und am oberen Ende der Bewertung, aber wenn man das Zinsniveau betrachte, seien Aktien eigentlich „spottbillig“, sagen sie. Bei Anleihen ist die Situation etwas differenzierter. Renditen seien fast nur noch bei sehr langen Laufzeiten oder im Hochrisikobereich zu erzielen. Inflationsgeschützte Anleihen seien ihrer Meinung nach derzeit eine der attraktivsten Anlageklassen im Anleiheuniversum.

Was halte ich aus?

Bei Aktien ist man bei der Schoellerbank aktuell auf der Position „übergewichtet“. Seit Anfang 2012 ist man durchgehend positiv auf Aktien mit den Ausprägungen „Stark Übergewichtet“ und „Übergewichtet“ ausgerichtet. Ein Loblied auf Aktien will man trotzdem nicht singen. Für Fegg und Karas dreht sich am Ende alles um die Frage, die sich jeder Anleger stellen muss: Was halte ich aus? Denn die nächste Korrektur komme bestimmt. Und dann gehe es darum, ob man als Anleger bereit sei, die Nerven zu bewahren und durch das finstere Tal zu wandern. Wenn man aber auf gute Aktien gesetzt habe, also auf Unternehmen mit einem guten Geschäftsmodell, könne man durch jedes Tal gehen. Anleger sollten sich also von kurzfristigen Prognosen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Und schließlich hoffe ja jeder langfristige Investor auf Korrekturen. Denn nur dann sei die Chance gegeben, um billig zu kaufen, also um Bargeld zu attraktiveren Preisen zu investieren.

Spekulieren gehört nicht zum Portfolio der Schoellerbank. Also weit weg davon, auf kurzfristige Moderscheinungen zu reagieren. Die Kunden vertrauen der Privatbank mittlweile rund elf Milliarden Euro an.