Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Einfach zum Nachdenken

Kultur / 06.05.2015 • 18:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Mit rund 90 Länder-Beiträgen – durchzuzählen anhand der Pavillons in den Giardini und in eigens angemieteten Palazzi, in Kirchen oder in anderen Räumlichkeiten in der ganzen Lagunen-Stadt –, mit Themenausstellungen und einer erwarteten Besucherzahl von mindestens einer halben Million Menschen zählt die Biennale Venedig zu den wichtigsten Kunstausstellungen der Welt. Nachdem die documenta in Kassel nur alle fünf Jahre stattfindet, dürfte sie aber ohnehin die Hitliste der Hotspots anführen.

Dieser Begriff ist bewusst gewählt, denn auch wenn der Nigerianer Okwui Enwezor, der die vom 9. Mai bis 22. November stattfindende Ausstellung in diesem Jahr leitet, an einem zentralen Punkt Tag für Tag aus Marx’ „Das Kapital“ vorlesen lässt, kann jedweder Wunsch nach Reflexion nicht kaschieren, dass Venedig in den nächsten Tagen zum Tummelplatz der Superreichen und Oligarchen wird. Zahlreiche Künstler haben sich längst mit der Tatsache arrangiert und dass Unternehmer oder Designer auf den Marketingeffekt von Kunst setzen, zeigt sich gerade auch in Venedig.

 

Dem Unternehmer François Pinault, dessen Name vorwiegend für Luxus-Marken steht, gehören inzwischen zwei Museen auf der Insel, Prada ist längst mit einem Haus vertreten und Louis Vuitton – inzwischen mit eigenem Museum ein Platzhirsch der Pariser Kunstszene – zählt zu jenen Labels, die mit einem Art Space in Venedig dabei sind.

Die Künstler werden belegen müssen, ob der Titel der Schau „All the World’s Futures“ nicht einfach nur gut klingt.

 

Österreich hat seit 1934 einen eigenen Pavillon auf der 1895 gegründeten Kunstausstellung. Kurze Zeit später existierte das Land gar nicht mehr. Mit Yilmaz Dziewior hat Kulturminister Josef Ostermayer vor einem Jahr den ehemaligen Direktor des Kunsthauses Bregenz zum Kurator des Pavillons bestellt. Dieser ernannte Heimo Zobernig zum ausstellenden Künstler. Der Pavillon wird am heutigen Donnerstag eröffnet, die Bilder, die es dann gibt, werden es womöglich nicht ausdrücken können, seine rein architektonischen Eingriffe zielen auf einen Ort zum Nachdenken – auch über die Geschichte.

Im Spätherbst stellt Heimo Zobernig dann im KUB aus. Betrachtet man die letzten Jahre, so fügt sich das gut. Es ist der letzte Programmpunkt des Direktors, der das Haus am See neben den realisierten grellen Installationen immer auch als Denk-Ort verstand und es als solches auch etablieren konnte.

Im Spätherbst stellt Heimo Zobernig dann im KUB aus. Betrachtet man die letzten Jahre, so fügt sich das gut.

christa.dietrich@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-225