Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Energiesparen und Lebensstil

Markt / 06.05.2015 • 22:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das hätten sich die Gründer des Energiesparvereins vor 30 Jahren nicht träumen lassen. Erstens nämlich, dass aus dem kleinen Verein, der auch deshalb gegründet wurde, um der aufkommenden Grünbewegung Wind aus den Segeln zu nehmen, eine mächtige Institution wird. Und zweitens, dass das Themenspektrum der Energiesparer irgendwann auch „Lifestyle“ umfasst. „Lebensstilfragen vor dem Hintergrund der Energieautonomie“ (O-Ton Energieinstitut) stehen im Mittelpunkt eines vom Energieinstitut angeschobenen und von der EU geförderten Projekts mit dem Titel „Probier amol“.

Sicher, die Zeiten ändern sich und damit auch die gesellschaftliche Wertigkeit von Themen wie der Energieeffizienz. Die Veränderung zeigt sich aber auch darin, dass sich in den vergangenen 30 Jahren eine neue gesellschaftlich relevante Gruppe gebildet hat, die für uns anderen denkt. Und sie lässt sich dabei nicht mit Fakten manipulieren. Es ist eine gut ausgebildete und deshalb wirtschaftlich wohlbestallte Schicht, die vor allem im öffentlichen und halböffentlichen Bereich ihre berufliche Heimat gefunden hat. Die Institutionen und Ämter sind auch die ideale Homebase, um moralische Standards neu zu definieren.

Für diese Opinionleader neuen Zuschnitts mag es angebracht sein, den Lifestyle zu definieren, der zumindest ein Hybridauto vorschreibt, beim Lebensmitteleinkauf auf regionale Bioqualität pocht und beim Hausbau das Nullenergiehaus zur Pflicht erhebt. Es ist aber ein Lifestyle, der moralinsauer daherkommt, der Menschen ein schlechtes Gewissen macht, die sich der neuen Norm nicht unterwerfen. Oft deshalb, weil es ihnen nicht möglich ist, weil sie es sich einfach nicht leisten können.

Es nützt sehr vielen Menschen schlicht und einfach nichts, wenn man ihnen vorrechnet, dass sich ein Nullenergiehaus auszahlt, wenn man einen Zyklus von 80 Jahren als Exempel nimmt. Oder dass ein Biobrot nur 70 Cent mehr kostet als ein herkömmlicher Wecken. Sie haben andere Prämissen. Sie müssen nämlich Tag für Tag darauf achten, dass sie über die Runden kommen. Natürlich ist das auch ein Lifestyle, doch ihr persönliches Projekt heißt „Lebensstilfragen vor dem Hintergrund der Geldknappheit“.

Der richtige Lifestyle mag wichtig sein, doch zur Energieautonomie wird er nur wenig beitragen. Aber das Thema zeigt, wie sich die Zeiten ändern. Zum Jubiläum wäre eine Rückbesinnung deshalb gar nicht so falsch.

Der Lifestyle der Energiewende mag wichtig sein, doch zur Energieautonomie wird er nur wenig beitragen.

andreas.scalet@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-862