Schwangere Freundin geschlagen, gebissen, bedroht und eingesperrt

Vorarlberg / 06.05.2015 • 22:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten auch Zucht von Hanf in einer Indooranlage ähnlich dieser vor.  Foto: Polizei
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten auch Zucht von Hanf in einer Indooranlage ähnlich dieser vor. Foto: Polizei

Staatsanwaltschaft wirft 41-jährigem An­geklagten auch Drogenhandel vor.

Christiane Eckert

Feldkirch. Die Liste der Anschuldigungen ist lang: Allein was die Übergriffe auf die damals schwangere Lebensgefährtin betrifft, kommt einiges zusammen. Das Kind war nicht geplant, er ist 41, sie 37, es gab ständig Konflikte, dazu kam Eifersucht, weil der Mann immer wieder jene Frau kontaktierte, mit der er zuvor zusammen war. Die werdende Mutter war alkoholkrank und trank sich von Rausch zu Rausch, er rauchte einen Joint nach dem anderen. Es kam immer wieder zum Streit.

Laut Aussage des Angeklagten habe er die Frau „nur“ geschubst und gesagt, sie solle ihn in Ruhe lassen. „Woher kommen dann die blauen Flecken, die über den ganzen Körper verteilt sind?“, will Richter Wilfried Marte wissen.

„Sie ist unglücklich gefallen“, stammelt der Mann, der einen unruhigen, labilen Eindruck macht. Seit Jahren konsumiert er Marihuana.

Alles erfunden

Die Frau wandte sich damals an die Polizei, erstattete Anzeige und flüchtete in die Frauennotwohnung. Sie gab zu Protokoll, wie der Mann sie an den Haaren gerissen hatte, sie mit dem Umbringen bedrohte, mit Fäusten schlug, sie einsperrte, zwei Bisswunden am Unterarm sind bei ihr heute noch sichtbar. Für alles findet der Angeklagte eine Erklärung. Und die Frau nimmt im Prozess auch einiges zurück. Sie habe vieles erfunden, weil sie verärgert gewesen sei. Sie sei eifersüchtig gewesen, weil die „Ex“ ständig anrief, sie sogar beim Sex störte und ihr Freund aufstand, ging und sie allein zurückließ. Deshalb habe sie ihm vieles angehängt. „Ich wollte ihn fertigmachen“, behauptet sie. Auch was sie bezüglich der Indoorplantage beobachtet habe, auch davon sei vieles gelogen, so die Zeugin, die ihr Baby neben sich stehen hat.

Widersprüche

Doch jedem im Saal fällt auf, dass die Frau sich in auffallender Weise selbst die Schuld für alles gibt. „Ehrlich, ich habe immer angefangen“, sagt sie. Außerdem sei sie immer betrunken gewesen, versucht sie alles zu relativieren. Sie geht sogar noch weiter: „Der Polizist hat mich erpresst, drum habe ich das damals gelogen“, wiederholt sie mehrmals. Bei der Aufzucht der Cannabispflanzen in ihrer Wohnung habe sie nicht mitgeholfen, gesehen habe sie wenig, mitbekommen auch nichts. Die Staatsanwaltschaft spricht von acht Kilo Cannabis und von Handel. Wie der Prozess ausgeht, ist noch offen, wegen weiterer Anträge musste vertagt werden.