„Sensibilität gegenüber Gewalt ist gestiegen“

Vorarlberg / 06.05.2015 • 20:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Fred Donaldson spielt in der FMS Altach: „Original Play“ schaut wie ausgelassenes Gerangel aus.  FOTO: FMS ALTACH
Fred Donaldson spielt in der FMS Altach: „Original Play“ schaut wie ausgelassenes Gerangel aus. FOTO: FMS ALTACH

Montessori-Schüler lernen mit Fred Donaldsons „Original Play“ besseren Umgang miteinander.

ALTACH. (VN-hrj) Wie schaffen wir optimale Lernbedingungen für unsere Kinder in der Schule? Brauchen wir dafür mehr Unterricht, mehr Computer, strengere Tests oder mehr Hausübungen? Wie gehen wir mit Gewalt wie Mobbing um?

Ohne Sieg und Niederlage

Diese Fragen werden wie in den meisten Pflichtschulen auch in der Freien Montessori Schule (FMS) Altach thematisiert. Allerdings gehen die Lehrpersonen der FMS Alt­ach wie üblich einen unüblichen Weg: Und dieser heißt „Original Play“ (Ursprüngliches Spiel), endwickelt vom US-amerikanischen Psychologen Fred Donaldson. Der Spieleforscher berührt und spielt seit 50 Jahren mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, aber auch mit Tieren in freier Wildbahn. In seinem „Original Play“ gibt es keinen Wettkampf, daher auch weder Sieg noch Niederlage. Es handelt sich vielmehr um eine respektvolle Form der Begegnung und Berührung, die zwei Grundbotschaften beinhaltet: „Es gibt nichts, wovor du Angst zu haben brauchst. Du wirst bedingungslos geliebt.“

Weil „Original Play“ in Schulen ein Umfeld schafft, in dem man seine Energie nicht in Selbstverteidigung, Stress, Isolation, Mobbing und subtilen Formen von Aggression und Gewalt investieren muss, ist Donaldson seit 2007 einmal pro Jahr in der FMS Altach zu Gast. So spielten er und sein Team vor Kurzem vier Tage mit den Montessori-Schülern aller Schulstufen im Alter von sechs bis 14 Jahren und hielt zudem Workshops für die Lehrpersonen.

„Die Kinder finden es toll, da sie gesichert – in einem geschützten Setting – in Kontakt miteinander kommen können“, sagt Monika Dorner, Direktorin der FMS Alt­ach, zu den VN. „Sie erleben dabei den Unterschied zwischen Spiel und Wettkampf. Außerdem lernen sie sich gegenüber ihren Mitschülern abzugrenzen und ‚Stopp‘ zu formulieren und das auch einzufordern.“

Das bestätigt der zehnjährige Montessori-Schüler Ravi R.: „Original Play macht richtig Spaß. Wir spielen miteinander ohne zu kämpfen.“ Fred Donaldson habe trotzdem immer dazu geschaut, dass er und die Kinder untereinander sich beim Spielen nicht wehtun. „Als er das letzte Mal da war, haben wir ihn gefragt, mit welchen Tieren er denn schon gespielt hat“, erzählt Ravi. „Es waren Wölfe und Delfine, Bären und Löwen.“

Rempeln ist bereits Gewalt

Für Monika Dorner als Pädagogin und Schulleiterin zählt vor allem, dass durch „Original Play“ die Sensibilität gegenüber Gewalt gestiegen ist. „Wann fängt Gewalt an? Gewalt ist bereits das Rempeln – wenn auch spielerisch – zu dem ich als Kind oder Jugendlicher keine Zustimmung gegeben habe“, erklärt sie.

Zu Donaldsons Workshop mit den Lehrpersonen der MSA informiert Dorner: „Wir wissen nun genauer Bescheid, wann wir wie in welchen Situationen einschreiten müssen bzw. können.“ Sie habe bereits bemerkt, dass die Aufmerksamkeit der Lehrpersonen, zum Beispiel in der Pausenaufsicht, gestiegen sei.

Das Projekt ist laut Dorner nachhaltig, da stufenübergreifend gespielt werde. „Ältere Schüler spielen mit jüngeren. Das bringt ein viel besseres Verständnis füreinander mit sich, da die Jugendlichen die Kleinen – die Volksschüler – besser verstehen und die Welt wieder aus deren Blickwinkel erleben.“ Das führe zu entspannteren Situationen, etwa im Garderobenbereich und im Schulhof.

Die Aufmerksamkeit der Lehrpersonen ist gestiegen.

Monika Dorner, Direktorin

Original Play macht richtig Spaß. Wir spielen ohne zu kämpfen.

Ravi R., Schüler