Bienen geht es wieder besser

Vorarlberg / 07.05.2015 • 21:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Sabine Peter ist eine leidenschaftliche Imkerin. Sie sieht ihre Tätigkeit als Dienst an der Natur. Foto: VN/Steurer
Sabine Peter ist eine leidenschaftliche Imkerin. Sie sieht ihre Tätigkeit als Dienst an der Natur. Foto: VN/Steurer

Die Gründe dafür: schönes Wetter, rücksichtsvolle Menschen, kaum Varroamilben.

Schwarzach. Als Imkerpräsident Egon Gmeiner (70) vor zwei Monaten einen Hilferuf wegen der dahinsterbenden Bienen ausstieß, war ihm weiß Gott nicht zum Lachen zumute. Jetzt ist die Situation eine andere und ihm viel leichter ums Herz.

„Natürlich“, warnt der fürsorgliche Bienenfreund, „dürfen wir in unseren
Bemühungen nicht nachlassen. Aber ich darf sagen: Die Lage für die Bienen hat sich deutlich verbessert.“ Schon konnten sie fleißig Nahrung sammeln. Das Wetter war für intensive Flugaktivitäten bisher geradezu ideal. Hinzu kommt, dass derzeit die Varroamilben praktisch nicht vorhanden sind und die auch von den VN getragene Bienenkampagne erste Früchte trägt.

Rücksicht nehmen

„Ich möchte vor allem weiterhin an die Landwirtschaft appellieren, beim Mähen auf die Bienen Rücksicht zu nehmen. Bisher haben viele Landwirte ihre Mähmethoden den Insekten angepasst. Dafür will ich ihnen danken“, findet Gmeiner lobende Worte. Das Bewusstsein für den Schutz der Bienen habe sich seit Beginn der VN-Kampagne massiv zum Guten verändert. „Es haben unglaublich viele Vorarlberger ihre Unterstützung angeboten.“ Täglich seien bei ihm bis zu 70 Mails eingelangt. „Circa 20 Personen haben mich jeden Tag angerufen, wollten Tipps oder haben ihre Hilfe in verschiedenster Form angeboten. Das waren schon alles sehr positive Erfahrungen. Hier ist etwas Tolles in Bewegung gekommen.“

Totaler Einsatz

Der pensionierte ehemalige Landesbeamte hat sich wochenlang praktisch rund um die Uhr für die Bienen eingesetzt, Experten vermittelt, Blühflächen besichtigt, Tipps gegeben und die Imkervereine im Land mobilisiert.

Natürlich haben sich auch andere Organisationen massiv für die kleinen Hautflügler eingesetzt, etwa das Netzwerk blühendes Vorarlberg als zentrale Anlaufstelle für viele Fragen im Zusammenhang mit Bienen. Obst- und Gartenbauern, Naturschützer, Kommunen und viele Firmen haben sich für die Bienen engagiert und konkrete Maßnahmen gesetzt.

Nachhaltigkeit

„Es darf dies jedoch nicht nur ein momentaner Boom sein“, wünscht sich Gmeiner. „Wir müssen diese Unterstützung und Förderung der Bienen nachhaltig gestalten. Dass sich jeder für unsere Honigproduzenten engagieren kann, haben die letzten Wochen eindrucksvoll bewiesen“, fügt Gmeiner an. Die angenehme Nebenerscheinung der breiten Kampagne für die Bienen: Die Nachfrage nach Imkerkursen ist stark gestiegen. Was Gmeiner fast unheimlich ist, ist das praktische Verschwinden der Varroamilben. „Diesem Frieden traue ich nicht. Ich will nicht glauben, dass dieser Schädling einfach so verschwunden ist.“

Gespannt wartet Gmeiner schon jetzt auf die Bilanz des Sommers, „der sich hoffentlich so entwickelt wie das Frühjahr. Dann nämlich werden wir einen guten Ertrag einfahren.“

Von Einstein inspiriert

An den Vorarlberger Imkern sollte es jedenfalls nicht liegen. Die legen sich ordentlich ins Zeug und tun alles für ihre Bienen. So wie Sabine Peter (41) aus Schwarzenberg. Die vierfache Mutter hat vor sieben Jahren mit der Imkerei begonnen. „Mittlerweile ist das meine große Leidenschaft geworden.“ Peter sieht ihre Beschäftigung mit den Bienen als Dienst an der Natur. „Mich hat diesbezüglich ein Spruch von Einstein geprägt. Der sagte einmal: ,In drei Jahren gibt es nur noch weiße Blüten, in fünf Jahren keine mehr.‘ Wir brauchen die Bienen.“

Es war schließlich eine Freundin, die sie endgültig dazu animierte, Imkerin zu werden. „Derzeit habe ich acht Völker. Ich hatte auch schon einmal 15. Aber weil ich letztes Jahr noch einmal ein Kind bekam, habe ich ein bisschen zurückgeschaltet.“

In ihrer Heimatgemeinde Schwarzenberg beobachtet Sabine Peter genau, wie bienenfreundlich oder nicht die ortsansässigen Bauern mähen. Was sie sieht, gefällt ihr nicht. „Bei vielen Menschen hat die Kampagne für die Bienen ein Umdenken ausgelöst. Aber bei einigen Bauern nicht. Die mähen in Zeiten des Bienenflugs immer noch alles zusammen. Und fängt einer an, mähen auch die anderen.“

Tipps für bienenschonendes Mähen

» Bei intensiv genutztem Grünland kann ein hochwertiger erster Schnitt auch noch unmittelbar nach der Löwenzahnblüte erzielt werden. Bei artenreichen Heuwiesen gibt es ebenfalls einen dem Naturraum angepassten optimalen Schnittzeitpunkt.

» Blütenreiches Grünland sollte morgens oder abends gemäht werden, nicht tagsüber zur Zeit des intensivsten Insektenflugs.

» Verwendung von Mähaufbereitern führt zu hohen Tierverlusten. Beim Mähen blütenreicher Bestände sollte man auf deren Einsatz verzichten.

» Der Einsatz von Messerbalkenmähwerken ist wesentlich insektenschonender als Kreiselmähwerke; das gilt für besonders schützenswerte Gebiete.

» Da auch Mulchgeräte sehr hohe Tierverluste verursachen können, sollten blütenreiche Flächen möglichst nicht an sonnigen Tagen, sondern bei Bewölkung oder kühlem Wetter gemulcht werden.

» Der Einsatz von Schlegelmulchgeräten (Pflege von Böschungen etc.) beeinträchtigt die Artenvielfalt besonders.