Die unheimliche Reise mit einem Zechpreller

Vorarlberg / 07.05.2015 • 22:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Beim Schweizer Gast „streikten“ sämtliche Bankomaten. VN/Paulitsch

Beim Schweizer Gast „streikten“ sämtliche Bankomaten. VN/Paulitsch

Statt die Rechnung zu bezahlen, raubte ein Gast der Kellnerin den letzten Nerv.

Dornbirn. Es begab sich bereits im Jahre 2013 in einem Unterländer Restaurant, bekannt für seine vorzüglichen Steaks. Eine Runde von vier Männern saß an einem Tisch und genoss Speis und Trank. Da erhob sich plötzlich einer nach dem anderen, schlug den Weg zur Toilette ein und ward dann nie mehr gesehen.

Als sich auch der Letzte der Runde aufmachte, wurden Wirt und Kellnerin misstrauisch. Sie hielten den Mann an der Türe auf und stellten ihn zur Rede. „Er müsse zum Auto gehen, um Geld zu holen“, habe er damals gesagt, so die Kellnerin später am Bezirksgericht.

Doch mit Entsetzen stellte der Gast dabei fest, dass der Wagen verschwunden war. „Die haben mich sitzen lassen! Mit meiner Jacke und meinem Geld im Auto! Wie komme ich jetzt nach Hause?“, brachte er seine Empörung über die verschwundenen Tischkollegen zum Ausdruck. Also kein Cent in der Tasche und die Rechnung unbezahlt. Was jetzt?

Drei Stunden Panik

Zwei Jahre später schildert die 28-jährige Kellnerin dem Dornbirner Bezirksrichter Frank Plasinger, was dann geschah: „Er tat mir leid. Er schlug mir vor, ihn nach Hause zu fahren. Er wohne gleich über der Grenze. Dort habe er Geld.“

Die Ahnungslose willigte ein. Sie lud den Unbekannten in ihr Auto und erlebte dann Stunden, die sie ihr Leben lang nie mehr vergessen würde. Eine Irrfahrt ins Ungewisse begann. Begleitet von wachsender Angst in der Seele der Fahrerin, die in Panik ausartete.

„Wir fuhren über die Grenze, dann wieder zurück“, so die Zeugin zum Richter, „von einem Bankomaten zum anderen. Doch er stieg immer wieder ohne Geld ein. Insgesamt zehn Zielpunkte musste ich anfahren! Schließlich begann ich zu weinen und zu schreien. Ich forderte ihn auf, das Auto zu verlassen. Doch er tat es nicht!“

Angstvorstellungen bemächtigten sich der Verzweifelten. War sie zum Opfer einer Entführung durch einen Unbekannten geworden? Oder von noch Schlimmerem? „Nach drei Stunden stieg er dann schließlich wieder aus und blieb verschwunden. Ich war ja so was von froh, dass er endlich weg war.“

Stinkefinger statt Reue

Die Polizei forschte den Unbekannten bereits wenig später aus und forderte ihn zur Bezahlung der offenen Rechnung auf. Tatsächlich erschien der Schweizer eines Tages im Restaurant und beglich die noch offene Rechnung von 80 Euro. Allerdings ohne Begründung für sein damaliges Verhalten und auch ohne jede reumütige Entschuldigung. Stattdessen habe er dem Wirt mit einer recht unhöflichen Geste den Mittelfinger entgegengehalten, wie sich ein Zeuge erinnert.

Der beschuldigte Eidgenosse erscheint nicht vor Gericht. Plasinger verurteilt ihn wegen Betrugs in Abwesenheit zu einer teilbedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je zwanzig Euro.