„Als Beiwagen für Ärzte betrachtet“

Vorarlberg / 08.05.2015 • 21:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Pflegepersonal kämpft mit der Selbstverständlichkeit seines Berufsstandes.

Nenzing. (VN-mm) „Pflege, bitte warten“, dürfte es im kommenden Jahr in den Krankenhäusern heißen. Beate Halbeisen, Landesvorsitzende des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes (ÖGKV) bestätigte im VN-Gespräch „Tendenzen, in den Spitälern keine zusätzlichen Pflegestellen zu schaffen“. Zuerst müssten 40 Stellen für Ärzte finanziert werden, habe ihr Gesundheitslandesrat Christian Bernhard bei einem Gespräch mitgeteilt. „Für die Pflege ist kein Geld da“, stellt Halbeisen trocken fest. Lediglich über Zulagen zur Gehaltsaufbesserung will Bernhard vorderhand reden. „Er weiß um das Problem“, hält ihm Beate Halbeisen zugute. Deshalb soll nicht gejammert, sondern die Sache im Rahmen des Dialogs gelöst werden. Und mit starken Auftritten.

Verlust von Fachkompetenz

Einen solchen legte die Pflege beim Pflegeforum gestern Freitag hin. Fast 300 Teilnehmer aus allen Bereichen der Pflege füllten den Ramschwagsaal in Nenzing. „Wir haben einen tollen Beruf und es lohnt sich, um Sichtbarkeit zu kämpfen“, meinte Ursula Frohner, Obfrau des ÖGKV. Pflegerische Tätigkeiten würden nach wie vor als selbstverständlich gelten, die Anerkennung sei gering. Von politischer Seite wünscht sich Frohner mehr Mitsprache bei Entscheidungen, ihren Berufsstand betreffend. Sie warnte zudem eindringlich vor einem Verlust der Fachkompetenz, sollte es für die Pflege keine Entlastung von artfremden Tätigkeiten geben.

Die Diskrepanz in der Wahrnehmung verdeutlichte Hannes Hirschmann. „Im Ansehen kommt die Pflege zwar gleich hinter der Feuerwehr, sie wird aber meist nur als Beiwagen für die Ärzte gesehen“, bemühte er den bildlichen Vergleich. Allerdings will sich die Pflege nicht nur über medizinische Leistungen definieren. „Wir müssen auch unsere soziale Kompetenz herausstreichen“, fordert Beate Halbeisen. Lydia Hagspiel vom Krankenpflegeverein Bregenz sagte warum: „Wir kompensieren oft, was andere Dienste nicht mehr leisten wollen, besonders, wenn es um schwierige Patienten geht.“ Als positiv wertete Beate Halbeisen, dass 90 Prozent der Besucher aus Vorarlberg kamen. „Es ist wichtig, dass die Pflege gemeinsam auftritt und an einem Ziel arbeitet.“

Es ist wichtig, dass die Pflege gemeinsam an einem Ziel arbeitet.

Beate Halbeisen