Beeindruckende Fantasien ganz in Weiß

Kultur / 08.05.2015 • 19:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Eine Geschichte in Weiß“: Eine der ersten Vorarlberg Premieren beim diesjährigen Homunculus. Fotos: K. Böckle  
„Eine Geschichte in Weiß“: Eine der ersten Vorarlberg Premieren beim diesjährigen Homunculus. Fotos: K. Böckle  

Der Theatermarathon des Homunculus-Festivals hat mit „Eine Geschichte in Weiß“ begonnen.

Hohenems. (VN-ufe) Noch bis zum 15. Mai wird Hohenems wieder zur Hauptstadt des besonderen Figurentheaters. Zum 24. Mal präsentiert das sympathische Festival zahlreiche Österreich- und Vorarlberg-Premieren für alle Theaterfans.

„Eine Geschichte in Weiß“ des Duos GundBerg, Natascha Gundacker und Joachim Berger, aus Niederösterreich, war eine der ersten Vorarlberg-Premieren im diesjährigen Homunculus Programm. Eine Puppe kann reden, muss sie aber nicht. Ein Bühnenbild kann bunt und schrill sein, muss es aber nicht. Weniger kann mehr sein. Das Essenzielle bleibt, wenn der Schnickschnack weg ist. Deshalb entfernte das Duo GundBerg sowohl Sprache, als auch Farbe aus ihrem Stück. Bühnenbild und Kostüme blieben gänzlich weiß. Die Sprache wird durch Geräusche und Musik lückenlos ersetzt. Das nonverbale Figurenspiel ist somit keineswegs ausdruckslos, geräuschlos oder gar farblos. Im Gegenteil, durch die Wegnahme gewinnt die Geschichte an Deutungsmöglichkeiten. Die Fantasie eines jeden Besuchers, egal welchen Alters, wird angeregt und muss eingesetzt werden.

Puppen zum Leben erwecken

Es ist und bleibt faszinierend, wie Puppenspieler einem wesenlosen Ding Leben einhauchen. Auch Natascha Gundacker beherrscht diese Kunst. Sie nimmt die kleine, weiße Puppe und verwandelt sie im Handumdrehen in ein lustiges und neugieriges Geschöpf. Die kleine Kreatur wird sofort ins Herz geschlossen. Es ist eine Freude ihr zuzusehen, aber auch zuzuhören. Da sprudeln aussagekräftige Geräusche und Laute aus dem Püppchen heraus. Es könnte nicht mehr sagen, würde es tatsächlich sprechen. Joachim Berger verleiht dem Geschichtlein an der Gitarre den passenden Klang. Da braucht es nicht viel Handlung – denn auch diese haben GundBerg bis auf ein paar Hinweise reduziert. Die Fantasie der Zuschauer soll hier zum Gestalter werden.

Zwei Köpfe, vier Hände

Eine kleine, feine Geschichte haben sich GundBerg mit ihrem Stück ausgedacht. Nur „ausgedacht“ ist in diesem Fall unzureichend. Denn das Duo Gundacker und Berger erschaffen ihre Werke gänzlich und komplett zu zweit. Idee, Figurenbau, visuelle Gestaltung, Bühnenbild, Kostüm, Komposition, Dramturgie und Regie – alles stammt aus ihren zwei Köpfen und wird mit ihren vier Händen umgesetzt. „Eine Geschichte in Weiß“ war ein entzückender Auftakt und ein Versprechen auf viele weitere einnehmende Stücke in den kommenden sieben Homunculus-Tagen.

Die kleine Kreatur wird sofort ins Herz geschlossen.  
Die kleine Kreatur wird sofort ins Herz geschlossen.  

Weitere Vorstellungen „Eine Geschichte in Weiß“: 9. Mai um 20 Uhr im Löwensaal Hohenems. Das Festival dauert noch bis 15. Mai 2015, Löwensaal Hohenems, Infos: www.homunculus.info