„Bei Ölheizungen gibt es einen starken Wandel“

Markt / 08.05.2015 • 19:27 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Egon Reiner ist das Gesicht des Vorarlberger Heizölhandels. Er ist Fachgruppenobmann des Energiehandels in der Wirtschaftskammer Vorarlberg und vertritt die Anliegen der Branche. Fotos: VN/Steurer
Egon Reiner ist das Gesicht des Vorarlberger Heizölhandels. Er ist Fachgruppenobmann des Energiehandels in der Wirtschaftskammer Vorarlberg und vertritt die Anliegen der Branche. Fotos: VN/Steurer

Höchst. Egon Reiner bringt seinen Kunden täglich Energie. Im Interview spricht er über Umweltschutz, das Auslaufmodell Ölheizung und wieso er sich aus diesem Grund bereits auf neue Geschäftsmodelle vorbereitet.

Wenn man in Vorarlberg eine Person mit dem Thema Heizöl in Verbindung bringt, dann Sie. Wie kamen Sie in diese Branche?

reiner: Mein Schwiegervater Johann Josef Schneider hatte seit ewigen Zeiten einen Mineralölhandel in Höchst. Mit 70 hat er einen Nachfolger gesucht. Ich war zu der Zeit Verkaufsleiter in der Schweiz und hab dann gesagt, ich helfe ihm beim Verkauf. Im Rahmen der Verkaufsbemühungen habe ich gesehen, dass es im Geschäft durchaus Chancen gibt. Ich habe dann das Unternehmen gekauft. Das war im Jahr 1990 und mein Einstieg in die Branche.

Früher war Heizöl der dominierende Brennstoff in den Vorarlberger Haushalten. Inzwischen hat sich die Lage radikal geändert. Wie kommt man damit zurecht?

Reiner: Es ist natürlich ein starker Wandel. Im Neubau gibt es praktisch keine neuen Ölheizungen mehr. Was passiert, ist dass ein alter gegen einen neuen Kessel getauscht wird. Mit jeder Modernisierung wird der Verbrauch reduziert. Es sollte aus meiner Sicht aber keine Diskussion unter den Energieträgern geben, sondern das Gebot der Stunde ist Energieeffizienz. Zuerst müssen die Gebäude saniert werden, damit der Verbrauch reduziert wird. Dann braucht es ein Heizsystem, das so effizient wie möglich ist. Aber natürlich ist es eine Verzögerung. Unsere Klientel ist eher älter.

Wenn die Ölheizung letztlich ein Auslaufmodell ist: Haben Sie ein Geschäftsmodell für die Zeit, wenn es keine Ölheizungen mehr gibt?

Reiner: Im Treibstoffbereich hat man eine Zeit lang den Versuch gestartet, aus Lebensmittel Treibstoff zu machen. Das ist für mich ethisch sehr verwerflich. Wir suchen Wege, bei denen man Treibstoff nicht aus Lebensmittel, sondern aus Abfällen macht. Wir haben dazu einen Partner in Finnland, der ein Verfahren entwickelt hat, wie man aus Abfällen hochwertige Treibstoffe gewinnen kann. Wir haben nun einen sehr effizienten und Co2-armen Diesel, der aus Schlachtabfällen beziehungsweise aus Filterkuchen gemacht wird – also dem beim Filtern zurückgehaltenen Feststoff. Ein Beispiel: Bei der Rapsherstellung produziert man zuerst den Raps. Aus dem Filterkuchen, in dem noch Energie enthalten ist, wird dann Treibstoff gemacht. Wir schauen also, dass wir als Unternehmen in den Nischenbereich hineinkommen, denn wir sind uns bewusst, dass Heizöl irgendwann seinen Lebenszyklus überschritten hat.

Gibt es diesen Diesel bereits zu kaufen?

Reiner: Einige Unternehmen im Land verwenden ihn bereits und auch wir fahren mit unserem gesamten Fuhrpark damit. In der chemischen Struktur unterscheidet er sich von einem mineralischen Diesel überhaupt nicht. Er ist auch in der Herstellung teurer, aber weil er mineralölsteuerbefreit ist, ist er schlussendlich günstiger als der normale Diesel.

Wie wirken sich die Preisschwankungen aus? Haben Sie heuer durch den niedrigeren Ölpreis bessere Geschäfte gemacht?

Reiner: Wir sind grundsätzlich froh, wenn der Preis niedriger ist. Das bietet einen Vorteil bezüglich der Erwartungshaltung der Kunden. Und wir minimieren das Risiko, weil die Außenstände geringer sind und die Zahlungsmoral der Kunden dadurch besser. Dazu kommt, dass der Kunde in Hochpreis­phasen nur das füllt, was er für den Winter braucht. Bei einem niedrigeren Preis füllt er seinen Lagerbestand auf, also oft den Zweijahresbedarf. Wir haben dadurch also insgesamt viel zufriedenere Kunden.

Was raten Sie den Konsumenten – jetzt kaufen oder zuwarten?

Reiner: Die grundsätzliche Ölnotierung an der Börse ist immer noch sehr niedrig. Preistreibend wirkt eher der schwache Euro zum Dollar. Durch die Krise in Griechenland und die Geldpolitik der Europäer hat der Euro massiv verloren. Wenn jemand Bedarf hat, wäre es daher sinnvoll, sich in der nächsten Zeit einzudecken.

Bei den Tankstellen sorgt das Energieeffizienzgesetz für Verärgerung. Sie müssen Energieeffizienzmaßnahmen vorweisen, ansonsten drohen hohe Strafzahlungen.

Reiner: Ich könnte dem Kunden sagen, er soll den Reifendruck prüfen oder er soll die Raumtemperatur im Wohnraum herabsetzen, weil das Energie spart. Ich habe Beweispflicht, das heißt, der Kunde muss das auch unterschreiben. Niemand weiß aber bislang, ob das oder was überhaupt anerkannt wird. Der Verwaltungsaufwand ist gigantisch. Und das, wenn man überlegt, dass die Bundesregierung angetreten ist, eine Verwaltungsreform umzusetzen. Dank diesem Gesetz muss man nun fast einen Mitarbeiter abstellen, der das entsprechend umsetzt.

Wenn der Ölpreis niedriger ist, haben wir als Unternehmen insgesamt viel zufriedenere Kunden.

Egon Reiner erklärt seinen neuen Dieseltreibstoff, der aus Abfällen hergestellt wird.
Egon Reiner erklärt seinen neuen Dieseltreibstoff, der aus Abfällen hergestellt wird.

Kennzahlen

ESW Reiner Logistik GmbH

» Geschäftsführung: Egon Reiner, Peter Aberer

» Gesellschafter: Egon Reiner (70%), Peter Aberer (30%)

» Mitarbeiter: 6

» Tochterfirma: RÜF-Heizöle Gesellschaft m.b.H.

» Ausgeliefertes Heizöl: 30 Millionen Liter

» Interessenvertretung: Obmann der Fachgruppe Energiehandel in der zweiten Funktionsperiode, davor sechs Jahre Funktionär für den Heizölhandel Vorarlbergs

Zur Person

Egon Reiner

Geschäftsführer und Gesellschafter der ESW Reiner Logistik GmbH sowie der RÜF-Heizöle Gesellschaft m.b.H. in Höchst

Geboren: 2. Mai 1952

Ausbildung/Laufbahn: HTL, Tätigkeit bei Haberkorn im Bereich Tunnelsanierung, Verkaufsleiter bei Grass für Österreich, Schweiz, Deutschland; 1990 Kauf der Mineralölhandelsfirma des Schwiegervaters Johann Josef Schneider in Höchst; zudem langjähriger Obmann der Fachgruppe des Energiehandels in der Wirtschaftskammer Vorarlberg

Familie: verheiratet, drei Kinder, sieben Enkelkinder