Drei Jahre, acht Monate, 20 Tage, 1,5 Mill. Tote

Wissen / 08.05.2015 • 16:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
1979 wurde Pol Pot, der ehemalige „Bruder Nr. 1“, von einem Volkstribunal der Roten Khmer zu lebenslangem Hausarrest verurteilt.  REUTERS
1979 wurde Pol Pot, der ehemalige „Bruder Nr. 1“, von einem Volkstribunal der Roten Khmer zu lebenslangem Hausarrest verurteilt. REUTERS

Vor 40 Jahren begann unter Pol Pot die Schreckensherrschaft der Roten Khmer.

Heidi Rinke-Jarosch

PHNOM PENH. Die Menschen jubelten, als die Roten Khmer am 17. April 1975 in der kambodschanischen Hauptstadt einmarschierten und ihr Anführer Pol Pot an die Macht kam. Die Erwartung der Bevölkerung, es werde ihr nun besser gehen, erfüllte sich nicht. Unter Pol Pots Schreckensregime kamen von den acht Millionen Einwohnern mehr als 1,5 Millionen ums Leben.

Wer war Pol Pot?

Geboren wurde Saloth Sar – so hieß Pol Pot mit bürgerlichem Namen – im Mai 1925 im Fischerdorf Prek Sbauvin in der Provinz Kompong Thom. Der Sohn wohlhabender Bauern wuchs mit acht Geschwistern auf und besuchte eine katholische Grundschule in Phnom Penh. Von 1949 bis 1953 studierte er in Paris Elektrotechnik, schloss aber sein Studium nie ab. Stattdessen entwickelte er in Frankreich seine kommunistischen Ideen weiter, nahm an der linksgerichteten Studentenbewegung teil und schloss sich der Parti communiste français an. Den Kommunismus in seiner radikalsten Form mit einer klassenlosen Gesellschaft in einem unabhängigen Land zu realisieren, wurde zu seinem Lebensziel.

Wieder daheim im Königreich Kambodscha, lehrte er bis 1963 an einer Privatschule in Phnom Penh und versuchte, seine Schüler von seiner kommunistischen Idee zu überzeugen. Als die Regierung unter Prinz Norodom Sihanouk gegen die Kommunisten im Land vorging, floh Pol Pot in den Dschungel nahe der vietnamesischen Grenze. Von dort aus arbeitete er sein Konzept aus und bildete die Guerillaorganisation „Rote Khmer“. Zu seinem engsten Stab zählten Khieu Sampan und Nuon Chean – beides Männer, die wie Pol Pot in Paris studiert und sich dort den Kommunisten angeschlossen hatten.

Für Pol Pot war es einfach, die Bauern davon zu überzeugen, die Probleme Kambodschas seien durch einen unüberwindlichen Stadt-Land-Konflikt entstanden, der zugunsten der Landbevölkerung gelöst werden müsse. Und so begannen die Roten Khmer, die radikalen Ideen ihres „Bruders Nummer 1“ – wie sie Pol Pot nannten – vom kommunistisch-primitiven Bauernstaat konsequent umzusetzen.

Bekleidet mit schwarzen Pyjamas, Ballonmützen und Sandalen marschierten die Roten Khmer am 17. April 1975 in Phnom Penh ein und zwangen die Bevölkerung unter Androhung der Todesstrafe, die Hauptstadt binnen 48 Stunden zu verlassen. Die Guerilla-Armee trieb die Städter aufs Land, um dort als Bauern oder Landarbeiter eingesetzt zu werden, und zerstörte in Phnom Penh alle „Güter der Bourgoisie“ wie Bücher, Schreibmaschinen, Brillen, auch Autos.

Über eine Million Kambodschaner flüchteten nach Thailand. Dort hausten sie jahrelang in Flüchtlingslagern entlang der Grenze. Auch König Norodom Sihanouk und einigen seiner Familienangehörigen gelang die Flucht ins Ausland.

In den darauffolgenden vier Jahren ermordeten die Roten Khmer unter Pol Pots Führung ein Viertel der damaligen Bevölkerung Kambodschas. Jeder Vierte starb an Krankheit oder Erschöpfung auf den „Killing Fields“ – die Stadtmenschen ertrugen das harte Leben auf dem Land nicht – und Unzählige wurden exekutiert.

Ende der Schreckensherrschaft

Drei Jahre, acht Monate, 20 Tage und mehr als 1,5 Millionen Tote später beendete eine militärische Intervention der Vietnamesen Pol Pots Schreckensherrschaft. Die Roten Khmer wurden in den Dschungel Richtung Westen zurückgedrängt. Von dort führten sie 20 Jahre lang unter Pol Pots Führung einen Guerillakrieg gegen die von Vietnam unterstützte Regierung unter Hun Sen. 1993 fanden unter UN-Administration erste demokratische Wahlen in Kambodscha statt.

1997 wurde Pol Pot von eigenen Leuten vor ein Volkstribunal der Roten Khmer gestellt und wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslangem Hausarrest verurteilt.

Am 15. April 1998 verschied Pol Pot. Offiziell starb er an Herzversagen. Vermutet wird Suizid. Seine letzten Worte waren: „Alles was ich gemacht habe, war für mein Land. Mein Gewissen ist rein.“

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