Ein erstes Warnsignal

Markt / 08.05.2015 • 19:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Patrick Schuchter
Patrick Schuchter

schwarzach. Unbemerkt von vielen Anlegern findet derzeit an den europäischen Staatsanleihenmärkten ein wahrer Abverkauf statt. Dieser trifft insbesondere

sicherheitsori-

entierte An­leger, welche sich noch nicht an die neuen
Bedingungen

an den Finanzmärkten angepasst haben. So erlebten deutsche Staatsanleihen in der letzten Woche ihren stärksten zweitägigen Verlust in der Geschichte: Die Rendite von 10-jährigen Staatsanleihen stieg von 0,07 % Mitte April auf aktuell über 0,53 % an – ein Verlust von mehr als 4,7 Prozent, gerechnet auf den Kurs einer Anleihe. Dies ist eine Verlusthöhe, welche viele Anleger eigentlich nur im Aktienbereich zu akzeptieren bereit sind. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Marktbewegungen deutlich, mit welchen Risiken vor allem das als vermeintlich sichere Anlageklasse bezeichnete Segment der Staatsanleihen behaftet ist. Das Niedrigzinsumfeld hat die jährlichen Renditen so weit abschmelzen lassen, dass bereits geringste Kursbewegungen ausreichen, um die Zinserträge der nächsten Jahre auf einen Schlag zu vernichten. Anlegern wird derzeit deutlich vor Augen geführt, wo über die kommenden Jahre die Risiken lauern: Während bei vielen Aktien die Dividendenrenditen in der Höhe von vier bis fünf Prozent noch einen gewissen Schutz vor Kursschwankungen bieten, ist dieser Puffer bei Anleihen mit einer sehr guten bis guten Qualität nicht mehr gegeben.

Anleger sollten aber auch nicht Hals über Kopf ihre Anleihen auf den Markt werfen. Vielmehr gilt es, mit traditionellen Denkmustern zu brechen, wonach Anleihen per se eine sichere Anlageklasse sind, und mögliche Auswirkungen auf das individuelle Anlageverhalten zu überprüfen. Kurzfristig sollten die monatlichen Anleihenkäufe durch die EZB, die Sparüberschüsse der privaten Haushalte sowie die Deflationstendenzen die Renditen wieder nach unten – und somit die Preise nach oben – ziehen. Langfristige Anleger können die aktuellen Entwicklungen aber als erstes Warnsignal dafür sehen, was die Folgen sein werden, wenn die Politik des billigen Geldes endet.

patrick.schuchter@vvb.at,
Patrick Schuchter, Vermögensverwaltung, Volksbank Vorarlberg