Ein Hoffnung gebender Fortschritt

Gesund / 08.05.2015 • 11:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mit Hilfe von Gentests können immer mehr Mechanismen im Körper entschlüsselt werden. Das revolutioniert auch die Tumorbehandlung.  
Mit Hilfe von Gentests können immer mehr Mechanismen im Körper entschlüsselt werden. Das revolutioniert auch die Tumorbehandlung.  

Beim erblich bedingten Eierstockkrebs scheint jetzt eine gezielte Therapie möglich.

innsbruck. Rund 700 Mal wird in Österreich jedes Jahr die Diagnose „Ovarialkarzinom“ gestellt. Das bedeutet, dass eine von 80 Frauen im Lauf ihres Lebens daran erkrankt. Etwa 480 Patientinnen versterben jährlich daran. „Eine Früherkennung des Ovarialkarzinoms ist bislang noch nicht möglich“, bedauert Univ.-Prof. Dr. Christian Marth, Vorstand der Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe an der MedUni Innsbruck. Auch ein jährlich durchgeführter transvaginaler Ultraschall garantiere keine frühe Tumor-erkennung.

Hohes Risiko

Rund zehn Prozent aller Fälle von Eierstockkrebs beruhen auf einer genetischen Mutation von BRCA1 oder BRCA2 (BReast CAncer). „Trägerinnen eines mutierten BRCA1-Gens erkranken mit einer Wahrscheinlichkeit zwischen 40 und 55 Prozent an einem Ovarialkarzinom“, erläutert Marth. „Bei Frauen mit einer Mutation an BRCA2 liegt das Risiko immer noch zwischen 10 und 20 Prozent.“ Die Therapie der Wahl bei Eierstockkrebs – gleichgültig ob sporadisch oder erblich – ist die umfangreiche Tumorentfernung, bei der sämtliches, mit freiem Auge sichtbares Tumorgewebe entfernt wird. Im Anschluss daran erfolgt eine platinhältige Chemotherapie über sechs Zyklen.

Bei rund 65 Prozent der Patientinnen tritt die Erkrankung trotz optimaler Therapie nach einiger Zeit wieder auf. „Bislang konnten wir die Patientinnen dann nur erneut mit einer platinhältigen Chemotherapie, eventuell kombiniert mit einer anti-angiogenetischen Therapie, behandeln“, sagt Univ.-Prof. Dr. Alexander Reinthaller von der Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe an der MedUni Wien. „Nun steht uns erstmals ein völlig neues, innovatives Therapiekonzept zur Verfügung.“

Zelltod einleiten

Mit dem ersten auf dem Markt zugelassenen PARP-Inhibitor können gezielt ausschließlich jene Patientinnen behandelt werden, die an einer erblichen Form des Ovarialkarzinoms erkrankt sind. PARP steht für Poly-(ADP-Ribose)-Polymerase und ist für die Reparatur der DNA zuständig. „Dieses Enzym erkennt defekte Stellen (Einzelstrangbrüche) in der DNA und repariert diese“, erklärt Reinthaller. Aufgrund der sehr guten Studienlage wurde der erste PARP-Inhibitor von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA zur Behandlung von Patientinnen mit platinsensitivem rezidiviertem Eierstockkrebs und einer BRCA1 oder BRCA2-Mutation zugelassen. „Dies wird auch die Praxis in der Gentestung auf BRCA1- oder BRCA2-Mutation ändern“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Christian Singer von der Gynäkologie und Gynäkologischen Onkologie an der Medizinischen Universität Wien. Denn bislang wurden nur jene Frauen getestet, die ein familiäres Risiko für erblichen Eierstockkrebs aufweisen. Nun wird auch Frauen, bei denen bereits ein Ovarialkarzinom diagnostiziert wurde, die Testung angeboten. Die genetische Testung kann aktuell in Wien, Linz, Graz und Innsbruck durchgeführt werden.