Ein paar Minuten zu sorglos

Sport / 08.05.2015 • 22:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Etappenerfolg: Raphael Herburger schnappt Tschechiens Superstar Jaromir Jagr den Puck weg. Foto: Apa
Etappenerfolg: Raphael Herburger schnappt Tschechiens Superstar Jaromir Jagr den Puck weg. Foto: Apa

Österreich verlor bei der Eishockey-WM gegen WM-Gastgeber Tschechien 0:4.

Prag. Niederlage Nummer drei für Österreichs Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM in Prag. Die ÖEHV-Auswahl musste sich der hoch favorisierten Auswahl von WM-Gastgeber Tschechien mit 0:4 (0:0, 0:3, 0:1) geschlagen geben. Die Tschechen um Superstar Jaromir Jagr bestimmten vor 17.383 Zuschauern in der ausverkauften O2 Arena erwartungsgemäß das Spiel und sorgten auch bei den Fans für Feierstimmung am Tag der Befreiung. Ondrej Nemec (32.), Martin Zatovic (39.) und Vladimir Sobotka (40.) trafen im Mitteldrittel zur Entscheidung. In dieser Phase war der Auftritt Österreichs zu sorglos, man agierte zu offensiv und es fehlte die Zuordnung.

Zwei Tore in 64 Sekunden

Für die Mannschaft von Daniel Ratushny stehen nun die zwei entscheidenden Spiele im Abstiegskampf an. Heute wartet Lettland, am Montag (beide 16.15 Uhr) geht es gegen Deutschland. Österreich benötigt zumindest noch zwei Punkte, um erstmals seit elf Jahren den Klassenerhalt zu schaffen.

Die Österreicher, mit Verteidiger Florian Mühlstein statt Florian Iberer und Stürmer Manuel Ganahl statt Manuel Geier, lieferten dem sechsfachen Weltmeister einen beherzten Abwehrkampf. Sie erledigten fast zwei Drittel lang ihre Defensiv­aufgaben gut und blockten viele Schüsse.

Zudem war der herausragende Torhüter Bernhard Starkbaum bei einigen brenzligen Situationen hellwach. Durch Manuel Latusa (14.) und vor allem Brian Lebler (19.) hatten die Österreicher sogar Riesenchancen auf die Führung, beide scheiterten aber an Torhüter Ondrej Pavelec.

Zu Beginn des Mitteldrittels war Kämpferherz gefragt, das Penalty-Killing funktionierte auch gegen die NHL-Stars Jagr, Voracek und Co. wieder. 4:40 Minuten spielten Heinrich und Co. in Unterzahl, davon 25 Sekunden mit zwei Mann weniger. Das tschechische Powerplay wurde überstanden, der Druck der Gastgeber aber auch nach Ablauf der Strafen nicht geringer.

Nemec erlöste schließlich die begeisterten Fans, Zatovic und Sobotka mit zwei Treffern innerhalb von 64 Sekunden entschieden im starken tschechischen Mitteldrittel (22:2-Torschüsse) die Partie.

Ratushny reagierte in der zweiten Pause und ersetzte Starkbaum durch Rene Swette. Nach nur sieben Sekunden und beim ersten Schuss auf sein Tor hatte der KAC-Goalie bei einem Schuss von Kapitän Jakub Voracek gleich das Nachsehen.

„Ich bin stolz, wie meine Mannschaft heute gekämpft hat“, war Ratushny nicht unzufrieden. „Wir hatten ein gutes erstes Drittel, Chancen wie gegen Frankreich. Aber die Tschechen haben Mitte des zweiten Drittels ihr Spiel gefunden. Letztlich konnten wir ihr Niveau nicht 60 Minuten spielen. Das ist eine große, starke Maschine. Es müsste alles zusammenpassen, um so ein Team zu schlagen, und das war heute nicht der Fall.“ Das Resümee von Torhüter Starkbaum: „Die Tschechen waren haushoher Favorit, aber wir haben im ersten Drittel richtig gut mitgespielt und viele Torchancen gehabt. Die haben wir leider nicht nützen können.“

Gute Erinnerung

Für die Österreicher hieß es danach schnell regenerieren. Rund 22 Stunden nach der Schluss-Sirene geht es gleich gegen Lettland, das im Abendspiel gegen Deutschland mit 1:2 den Kürzeren zog. An das bisher letzte Duell haben die Österreicher gute Erinnerungen, bei der WM 2013 in Helsinki gab es einen 6:3-Sieg – am Ende stand dennoch der Abstieg.

Wir müssen das Spiel abhaken und das Positive mitnehmen.

Kapitän Thomas Raffl