Ein wahrer Meister der Instrumentation

Kultur / 08.05.2015 • 20:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Richard Dünser nimmt nach der Aufführung seiner Bearbeitungen den Applaus des Publikums entgegen.  Foto: Silvia Thurner
Richard Dünser nimmt nach der Aufführung seiner Bearbeitungen den Applaus des Publikums entgegen. Foto: Silvia Thurner

Richard Dünser überraschte mit Bearbeitungen von Zemlinsky und Schubert.

Dornbirn. (VN-JU) Da hat der aus Bregenz stammende Richard Dünser (56) neben seinem Hauptjob als Professor an der Musik-Uni in Graz und als viel beschäftigter Komponist auch noch eine Marktlücke entdeckt, die ihm zusätzlichen Einsatz abfordert. Er instrumentiert Stücke anderer Komponisten für eine neue Besetzung und ist damit international erfolgreich. Am Donnerstag stellte er bei „Dornbirn Klassik“ im Kulturhaus in einem Konzert der Kammersymphonie Berlin seine neuesten Arrangements als Vorarlberger Erstaufführungen vor.

Grundlage seiner ersten Arbeit bildet das Streichquartett Nr. 2 (1915) des von den Nazis verfemten Komponisten Alexander Zemlinsky, ein komplexes viersätziges Werk von 45 Minuten Dauer, das Dünser 2013 zur Kammersymphonie umgestaltet hat, instrumentiert für ein knapp 30-köpfiges Kammerorchester mit ausgewählter Bläserbesetzung und Streichern. Wenn man das etwas spröde Original im vierstimmigen Satz kennt, erscheint es geradezu genial, mit welcher neuen Fülle an Farben und Eindrücken es nun ausgestattet wurde. Mit meisterlicher Hand kristallisiert Dünser Themen heraus, indem er fast jeden Bläser und die Stimmführer der Streicher zu Solisten macht. Er stellt Strukturen und Verläufe klar und gelangt damit zu Klangbildern von großer Dichte und inniger Schönheit. Die Verbindung ist ideal: Zemlinksy liegt mit seiner oft in freie Tonalität und leicht dissonante Bereiche vordringenden Tonsprache nahe bei Gustav Mahler. Die Kammersymphonie Berlin unter dem jungen Dirigenten Jürgen Bruns, der mit seinen weißen Haaren aussieht wie der junge Franz Liszt, gibt dem Werk in hoher Klangqualität zwar die betont wienerische Note, hat aber am Anfang Mühe mit der notwendigen Präzision. Das Publikum reagiert freundlich.

Streicher und Bläser

Beim zweiten Werk zeigt sich dann auch die Problematik dieser Vorgangsweise: dass sich nämlich nicht jede Vorlage gleichermaßen für diesen Prozess eignet. Franz Schuberts späte „Drei Klavierstücke“ etwa erweisen sich als ziemlich untaugliches Objekt. Wenn der von Schubert beabsichtigte klare Klavierklang auf Streicher und Bläser verdickt wird, gelangt diese Musik gefährlich nahe an die biedermeierliche Sentimentalität des unsäglichen „Dreimäderlhauses“, eines abschreckenden Operettenbeispiels der Schubert-Verkitschung. Die Meisterschaft Dünsers zur gekonnten Instrumentierung bleibt zwar auch hier unbenommen und hat in der Vergangenheit bei seiner Komplettierung von Schuberts unvollendeter Oper „Der Graf von Gleichen“ ein Paradebeispiel. Bei der Auswahl seiner Objekte sollte er allerdings etwas vorsichtiger sein. Daran ändert auch nichts die Tatsache, dass dem Publikum die Bearbeitung der süffigen Klavierstücke weit besser gefallen hat als zuvor Zemlinsky.

Bleibt zum Abschluss ein strapaziertes Meisterwerk, dessen Thema im ersten Satz vor nicht allzu langer Zeit als „Mozart Nr. 40“ von Kommerzorchestern wie Waldo de los Rios oder als Handy-Klingelton missbraucht wurde. Hier wird die Reputation der späten Symphonie des Salzburger Meisters wieder hergestellt, in einer sauberen Wiedergabe. Wenn es noch etwas österreichischen Charme dazu gegeben hätte anstelle kalter preussischer Routine, wäre der Eindruck vollkommen gewesen.

Hörfunkwiedergabe: 10. Mai, 20.05 Uhr, Radio Vorarlberg; Letztes Saisonkonzert, Kulturhaus: 2. Juni