Eine grandiose Wiederentdeckung

Kultur / 08.05.2015 • 18:59 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
   
   

Roman. (salg) Zu Unrecht ist Karl Tschuppik vergessen. Aber wie Joseph Roth, Max Brod oder Friedrich Torberg gehörte er zu den bedeutendsten Publizisten des Kaiserreichs. Im sogenannten „Ständestaat“ war er nicht wohlgelitten, setzte aber weiter mutig und kritisch seine spitze Feder, wie sein treffsicheres Mundwerk ein. Bereits 1933 gehörte er zu den ersten, deren Werke der Bücherverbrennung zum Opfer fielen, 1937 starb er.

Der nun wieder vorliegende Roman wurde zwar 1989 von Karin Brandauer verfilmt, blieb aber ein Geheimtipp. Dass sich das nun ändert, ist dem Werk zu wünschen, denn – wie Joseph Roth befand – „profunde Kenntnis und wissenschaftliche Sorgfalt nährten die Grazie des Schriftstellers“. Dazu kommt eine Ironie, die nie lärmend auftritt, mit scharfem Spott aber kriegstreiberische Haltungen entlarvt. Die Mitglieder einer Familie werden in ergreifenden Konstellationen geschildert und in damalige Gegebenheiten eingebettet.

Karl Tschuppik: „Ein Sohn aus gutem Hause“, Vorwort von Joseph Roth, Nachwort von Milan Dubrovic, Milena Verlag, 330 Seiten.