Einfach die beste Mama der Welt

Vorarlberg / 08.05.2015 • 18:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Elisabeth Nicolussi mit ihren vier Adoptivkindern. Ihre Liebe zueinander ist groß. Foto: VN/Stiplovsek
Elisabeth Nicolussi mit ihren vier Adoptivkindern. Ihre Liebe zueinander ist groß. Foto: VN/Stiplovsek

Elisabeth Nicolussi aus Hohenems ist Mutter von vier Adoptivkindern.

Hohenems. Durch die offene Terrassentür dringt Kindergeschrei. Liya und Gabrail (beide 10) spielen im Garten. Elisabeth Nicolussi (54), die Mutter der beiden dunkelhäutigen Kinder, ist am Kochen. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Tochter Theresa (20). Eine hübsche junge Frau schneit mit einem Hund zur Tür herein. Es ist Kristina (21), die älteste Tochter der Nicolussis. Sie ist gerade Gassi gegangen mit Prinz. Im Hause Nicolussi ist immer etwas los. Und das ist auch gut so, findet Elisabeth. Nichts schreckt die vierfache Mutter mehr als ein Haus ohne Leben. „Ohne Kinder wäre es ein totes Haus“, sagt sie, während sie Kartoffeln schält. Die Kinder haben ihr Leben zum Positiven verändert. „Sie haben meinem Leben Sinn gegeben.“

Großer Kinderwunsch

Bis zum Alter von 33 war Elisabeth kinderlos. „Mein Mann Günter und ich wollten unbedingt Kinder. Aber es hat nicht geklappt.“ Die Hohenemserin konnte nicht auf natürlichem Wege schwanger werden, weil sie vor Jahren einen Blinddarmdurchbruch gehabt hatte. Also versuchten es die Nicolussis mit künstlicher Befruchtung. Aber auch dies war nicht von Erfolg gekrönt. Elisabeth wurde nicht schwanger. Es blieb der Traum von einem mit Kinderlachen erfüllten Haus. Schließlich erfüllte sich das Ehepaar aus Hohenems seinen Kinderwunsch, indem es Kinder adoptierte bzw. Waisenkindern eine Chance auf ein besseres Leben gab: Theresa wurde in einem Spital in Albanien zurückgelassen und Kristina vor einem Krankenhaus in Albanien abgelegt. Liya und Gabrail wurden vor einem Waisenhaus in Äthiopien ausgesetzt. Man hatte sie unter einem Busch gefunden. Da waren sie gerade ein paar Tage alt. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man vier gesunde Kinder zur Adoption bekommt.“ Elisabeth weiß um ihr Glück und schätzt es sehr. „Dankbarkeit erfüllt mein Leben.“

Unvergessliche Momente

Die Augenblicke, in denen sie die Kinder in Empfang nahm, wird sie nie vergessen. „Es war bei jedem Kind gleich. Zuerst konnte ich es nicht fassen, dass es jetzt mir gehört. Und dann will man es nicht mehr hergeben.“ Ab da hat Elisabeth ihre Kinder nicht mehr aus den Händen gegeben. „Ich hatte noch nie eine Kindsmagd. Ich habe immer selber auf meine Kinder aufgepasst.“ Sie will es besser machen als ihre Mutter. Diese gab Elisabeth – aus beruflichen Gründen – mit sechs Jahren in ein Internat. „Ich hatte furchtbar Heimweh.“ Damals schwor sie sich: „Wenn ich einmal Mama bin, mache ich es anders.“ Theresa, die mit drei Monaten zu den Nicolussis kam und zu diesem Zeitpunkt nur 2,60 Kilo wog, deckt den Tisch. „Mama hört immer allen zu und hilft, wo es geht“, lobt sie ihre Mutter, „auf sich selber schaut sie zum Schluss. Zuerst kommen alle anderen.“ Für Kristina, die vor Kurzem mit ihrem Freund zusammengezogen ist, ist die Mama auch ein Vorbild. „So wie sie uns erzogen hat, will ich es auch einmal machen.“ Die Mutter am Herd lächelt still in sich hinein. Plötzlich fegt Liya wie ein Wirbelwind zur Terrassentür herein, ihr Bruder kommt keuchend nach. Die Kinder haben Hunger. Gabrail setzt sich an den gedeckten Tisch und plaudert aus, dass er im Werkunterricht ein Muttertagsgeschenk bastelt. Liya, die seit 14 Tagen nachts nicht mehr zu den Eltern ins Bett kommt, schmiegt sich an die Mama. Für sie ist Elisabeth „die beste Mama der Welt, vor allem dann, wenn sie mir etwas erlaubt, bei dem ich nie gedacht hätte, dass sie Ja sagt“. Aber Liya kann auch anders. „Wenn ich auf Mama zornig bin, könnte ich ihr alles kaputtmachen.“ Pünktlich zum Essen kommt auch der Papa heim. Das Familienoberhaupt wird von seinen Lieben lautstark begrüßt. So wie für seine Frau ist auch für Günter Nicolussi die Familie das Wichtigste im Leben. „Die Familie ist unser Lebensinhalt.“ Seine Frau stellt das Essen auf den Tisch und schaut zufrieden in die Runde. So ist es ihr am liebsten. Wenn alle da sind. So möchte sie es auch am Muttertag haben.