Freiheit in allen Facetten

Kultur / 08.05.2015 • 19:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Erfrischend unverblümt setzen sich die Schülerinnen mit dem großen Begriff der persönlichen Freiheit auseinander.  Foto: VN/Paulitsch
Erfrischend unverblümt setzen sich die Schülerinnen mit dem großen Begriff der persönlichen Freiheit auseinander. Foto: VN/Paulitsch

Wie Freiheit klappen könnte, zeigte „Macht Schule Theater“ gestern am Landestheater.

Bregenz. Alles vergessen, sein ganzes Leben. Alles, was eventuell schief gelaufen ist und leider auch alles, was man als durchaus schöne Erinnerungen bezeichnen könnte. Macht das frei? Hat man damit wirklich die zweite Chance gefunden, sein Leben völlig neu zu entwerfen, so wie es Kira, eine der Figuren aus „Ma Liberté“ versucht?

Worin liegt die ganz persönliche Freiheit eines jeden Einzelnen, das ist eine, wenn nicht die zentrale Frage, das sich das Stück „Ma Liberté“ stellt. Geschrieben wurde es von den Schülerinnen der HLW Rankweil, die es gemeinsam mit ihren Kolleginnen aus dem Bundesgymnasium Lustenau im kleinen Haus des Vorarlberger Landestheaters auch aufführen.

Theaterinitiative

Entstanden ist das Stück im Rahmen des Projekts „Macht Schule Theater“. Das heißt, dass das Bundesministerium für Bildung und Frauen 2015 bereits zum siebten Mal die österreichweite Theaterinitiative „Macht. Schule.Theater“ ausgeschrieben hat, bei der Bühnen, Autoren und Schulen gleichermaßen aufgerufen sind, gemeinsam ein Stück entstehen zu lassen. In Vorarlberg führte diese Vorgabe heuer die Autorin Daniela Egger, den Regisseur Marcus Harms, die Schülerinnen der HLW Rankweil und des BG Lustenau mit dem Vorarlberger Landestheater zusammen. Und dort war gestern Vormittag auch Premiere.

„Ma Liberté“ ist, wie der Titel schon eindeutig vermuten lässt, ein Stück über die Freiheit. Alle Achtung, in welchen Varianten die schreibenden und spielenden Schülerinnen da die Begrifflichkeit der Freiheit durchdeklinieren. Da ist die alleinerziehende Karrieremutter, die ihre beiden Töchter auf Erfolg trimmt, während die nichts anderes mehr im Kopf haben, als die Frage, wie sie es nur anstellen könnten, dieses Leistungskorsett zu dehnen, wenn nicht sogar zu sprengen. Da ist aber auch der typische Loser, der für seinen Style gemobbt wird und eigentlich doch ein ganz gewiefter Typ wäre. Und da ist die brave Mittelstandsfamilie, die so gar nicht versteht, warum Herr Sohn sich für so Weltverbesserisches wie Tier- und Umweltschutz interessiert.

Die Freiheit fehlt

Gemeinsam ist allen Erzählsträngen, die locker ineinander verflochten das Stück bilden, dass sie Menschen zeigen, die in ihren Situationen gefangen sind. Was ihnen fehlt ist die Freiheit. Und so zeigt „Ma Liberté“ auch, dass es nicht immer so einfach ist, die eigene Freiheit gegen Konventionen und Erwartungen durchzusetzen, beziehungsweise überhaupt zu erlangen.

Alle Achtung also vor den jungen Akteurinnen, die mit klugem Witz, unverfälschter Spontaneität und viel Engagement durch die Bilder der Freiheit und Unfreiheit führen.

Witz und Spontaneität

Kompliment auch an die Autorinnen, die gemeinsam mit Daniela Egger, ihren Kolleginnen die Worte in den Mund schrieben und Gratulation an Marcus Harms, dem es gelingt, diesen „Flohzirkus“ im besten Sinne des Wortes in einer erfrischend jugendlichen Inszenierung zu bändigen. Denn er schafft es, mit „Ma Liberté“ zu zeigen, dass Qualität sich meist dann so richtig entfalten kann, wenn alle Beteiligten mit Begeisterung am Werk sind – und das trifft hier eindeutig zu, wofür alle bei der gestrigen Premiere auch den gebührenden Applaus ernten konnten.

„Ma Liberté“ ist im Kleinen Haus des Vorarlberger Landestheaters noch zu sehen am 12./13. /18. und 19. Mai: www.landestheater.org