Karate ist keine Altersfrage

Gesund / 08.05.2015 • 11:44 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Margarethe (l.) ist die Älteste in der Runde, aber wie alle mit Eifer dabei.  Fotos: VN/Steurer
Margarethe (l.) ist die Älteste in der Runde, aber wie alle mit Eifer dabei. Fotos: VN/Steurer

Spezielles Angebot für die Generation 50+ ist auch wirksame Sturzprophylaxe.

Bregenz. (VN-mm) Margarethe ist 81 und eine sehr aparte Erscheinung. Sie hält das Alter erfolgreich auf Abstand, indem sie Geist und Körper bewegt und auch Neues nicht scheut. So war Margarethe eine der Ersten, die sich für das Gesundheitskarate 50+ angemeldet hat und dabei geblieben ist. Seit gut zwei Jahren hält sich die rüstige Seniorin auf diese Weise im wahrsten Sinne des Wortes gezielt fit. Mehr noch. Ihre Rückenschmerzen sind weniger geworden, dafür nahm die Standsicherheit zu. Und: „Karate ist viel abwechslungsreicher als normale Gymnastik“, merkt Margarethe lachend an.

Alles authentisch

Die Gruppe trifft sich jeden Freitagmorgen im ASKÖ-Heim in der Bodangasse 4 in Bregenz. Dieser Freitag ist ein besonderer. „Wir haben neue Anzüge bekommen“, erzählt Eva Kathrein, während sie Margarethe beim Binden des Gürtels hilft. Ein durchaus komplizierter Vorgang. Doch die Kursleiterin beherrscht ihn perfekt. Schließlich ist die ausgebildete Sportphysio‑therapeutin seit über zehn Jahren Karatetrainerin. Außerdem leitet Eva Kathrein im Karateverband Vorarlberg den Bereich „Fit & Gesund mit Karate“.

Bislang trugen die Teilnehmer normale Trainingskleidung. Dann kam der Wunsch nach authentischer Adjustierung. „Sieht doch besser aus, oder?“, fragt Margarethe und dreht sich kokett im Kreis. Als alle, die wollten, in blütenweißen Jacken und Hosen stecken, bittet Eva Kathrein zur Aufstellung. Die Gruppe begrüßt sich mit vor der Brust gefalteten Händen und einer eleganten Verbeugung. Dieses Ritual wird auch nach jeder Übung gepflegt. Wenn schon, denn schon, soll alles seine Richtigkeit haben. Laut einer Studie der Universität Regensburg ist Karate mehr als nur Fitness für Körper und Seele. Es mache die Menschen zudem glücklicher, heißt es. Vor allem aber muss Karate nicht nur Kampfsport bedeuten. „Es kann auch gesunde Bewegung sein“, betont Eva Kathrein und hebt besonders den Wert von Karate als Sturzprophylaxe hervor. „Es beinhaltet sehr viele koordinative Elemente und fördert die Lern- und Gedächtnisleistung“, listet sie weitere Vorteile auf.

Tatsächlich sind die Damen und Herren enorm gefordert, wenn Kathrein die Kommandos gibt. Linkes Bein, rechter Arm, rechtes Bein, linker Arm: So geht es in einem fort. Wer noch nie mit Karate zu tun hatte, kann die Reaktionsfähigkeit der älteren Herrschaften nur bewundern. Mit spielerischer Leichtigkeit folgen sie den Anweisungen ihrer Kursleiterin. Hin und wieder sind kleine korrigierende Eingriffe nötig, aber dann klappt es. Und die Begeisterung wächst mit jedem richtig gesetzten Schlag, Griff oder was auch immer.

Einstieg jederzeit möglich

Schnell macht vor allem der Wechsel zwischen Anspannung und Geschwindigkeit. Nur eines darf es nicht sein: anstrengend oder schmerzend. Eva Kathrein achtet stets darauf, dass die Intensität der Übungen dem Leistungsvermögen ihrer Teilnehmer entspricht. Deshalb hält sie ein waches Auge auf jeden. Die Übungen sind auch nicht aufbauend, deshalb ist der Einstieg jederzeit möglich. Ebenso gibt es keine fixen Kurskosten. „Bezahlt werden nur die in Anspruch genommenen Stunden“, sagt Eva Kathrein. Wobei die meisten ihrer Teilnehmer regelmäßig erscheinen.

Für sie bedeutet die Stunde auch ein Ausstieg aus dem Alltag. Die Konzentration auf das, was es zu tun gilt, macht anderes für eine Weile vergessen. Zum gesundheitlichen Aspekt kommt noch jener der Selbstverteidigung. Auch dafür sind die Übungen gut. „Ich weiß mir jetzt zu helfen, wenn es sein muss“, sagt Edeltraud (71) und wirkt dabei sehr selbstbewusst.

Schlagkräftige Karatekas: Eva Kathrein (M.) zeigt den Damen geduldig, wie es richtig gemacht wird.
Schlagkräftige Karatekas: Eva Kathrein (M.) zeigt den Damen geduldig, wie es richtig gemacht wird.

Anmeldungen und Informationen zum Gesundheitskarate 50+ bei Eva Kathrein, Tel. 0660/1089901, E-Mail: eva.kathrein@karatevorarlberg.at