Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Keine Qualität, wenig Klarheit

Kultur / 08.05.2015 • 19:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Am vergangenen Dienstag ging es im Stundentakt: Zuerst im Landhaus der Tag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, dann im Landesmuseum eine neue Präsentation zeitgenössischer Kunst und schließlich eine Podiumsdiskussion zur seit vierzig Jahren gestellten Frage nach eine Landesgalerie. In drei Stunden blamierte sich ein städtischer Kulturamtsleiter, zwei Verantwortliche des Landes ließen Klarheit vermissen. Doch der Reihe nach.

Die grundsätzlich erfreuliche Entscheidung der Stadt Bregenz, allen Opfern des Nationalsozialismus ein Denkmal zu setzen, wurde sowohl von Landtagspräsident Harald Sonderegger als auch von Bürgermeister Markus Linhart gut vertreten und auch begründet. Eine weniger gute Figur machte das Kulturamt der Stadt, das beispielsweise Teilnehmer des Wettbewerbs, die noch in der Endausscheidung mit dabei waren, nicht einmal zur Präsentation eingeladen hatte. Noch besser kam es, als Kulturamtsleiter Wolfgang Fetz das Siegerprojekt vorstellen sollte. Er entzog sich dieser Aufgabe, indem er einen 35-Minuten-Monolog über das Denkmal und seine Geschichte von sich gab, eine von Dürftigkeit strotzende Rede, die den eifrigen Wikipedia-Nutzer vermuten ließ. Das war unerträglich, unzulässig und der wichtigen Sache höchst unangemessen.

Beim Landesmuseum wird immer wieder heftig kritisiert, dass die Kunst des Landes – die jüngere und die ältere – in den derzeitigen Ausstellungen nicht vorhanden sei. Deshalb sind nun einige Arbeiten von Zeitgenossen im Umgang des zweiten Stockes zu sehen. Angesichts der Dürftigkeit der Präsenz zeitgemäßer Kunst (die von Direktor Andreas Rudigier immer heftig bestritten wird) gab es anschließend eine Diskussion über die Notwendigkeit einer Landesgalerie, also eines Ortes, an dem man die Kunst des Landes finden kann. Schade war, dass vor allem die zwei, die klar hätten sein sollen, nämlich Direktor Rudigier und der Leiter der Kulturabteilung des Landes, Winfried Nußbaummüller, nicht wirklich Position bezogen. Dabei wäre es einfach gewesen: Sie hätten nur das sagen müssen, was ohnehin jeder im Raum gespürt hat: Sie wollen keine Landesgalerie. Klarheit wäre hier besser gewesen, denn dann könnten sich auch Befürworter und Gegner künftig genauer orientieren. Denn das letzte Wort ist in dieser Sache sicher noch nicht gesprochen.

Sie hätten nur das sagen müssen, was ohnehin jeder im Raum gespürt hat.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.