Konservativer Überraschungs-Sieg

Politik / 08.05.2015 • 22:34 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Jubel und lange Gesichter in London: David Cameron (Tories, großes Bild) gewann die Parlamentswahl. Gleich drei Parteichefs traten am Freitag zurück (kleine Bilder, von oben): Nick Clegg (Liberal Democrats), Ed Miliband (Labour) und Nigel Farage (UKIP). FOTOS: REUTERS (3), EPA
Jubel und lange Gesichter in London: David Cameron (Tories, großes Bild) gewann die Parlamentswahl. Gleich drei Parteichefs traten am Freitag zurück (kleine Bilder, von oben): Nick Clegg (Liberal Democrats), Ed Miliband (Labour) und Nigel Farage (UKIP). FOTOS: REUTERS (3), EPA

Nach Wahl in Großbritannien: „Nacht der langen Messer“ für drei britische Parteichefs.

Für die Labour Party unter Ed Miliband war es ein Gemetzel – für die Tories (Konservativen) unter dem bisherigen Premierminister David Cameron ein unverhoffter Triumph: Die britischen Unterhauswahlen vom Donnerstag, bei denen die Spannung angesichts widersprüchlicher Umfrageergebnisse bis zuletzt angehalten hatte, sichern dem wenig populären Chef der Konservativen die Rückkehr in die Downing Street. Cameron, der am Freitagnachmittag von der Queen in Buckingham Palace erneut den Auftrag zur Regierungsbildung erhielt, hat bereits bestätigt, dass er im Jahr 2017 ein EU-Referendum veranstalten wird. Auch sein Versprechen, Schottland mehr Autonomie zu gewähren, gelobt er einzuhalten.

Das Ende einer Laufbahn

Für Camerons umstrittenen Rivalen Ed Miliband bedeutet das verheerende Resultat das Ende seiner fünfjährigen Laufbahn an der Spitze der Labour Party. Seine Stellvertreterin Harriet Harman wird zumindest bis zur Wahl eines Nachfolgers als Interims-Parteichefin fungieren.

Die Resultate: Die Konservativen kommen auf 330 der insgesamt 650 Unterhausmandate – und halten damit die absolute Mehrheit. Die Tories verzeichneten einen Zugewinn von 23 Mandaten, während Labour 26 Mandate verlor und nur noch 232 Mandate erhielt.

Die Labour-Partei büßte die meisten Mandate ausgerechnet in ihrer bisherigen Hochburg Schottland ein – an ihre Erzrivalen, die Schottischen Nationalisten (SNP, Scottish National Party), die einen geradezu sensationellen Zugewinn von 50 Mandaten verzeichnen konnten und nun mit einem Schlag 56 Sitze im Londoner Unterhaus belegen. Die SNP profitiert von dem durch sie initiierten Unabhängigkeits-Referendum im Herbst.

Schottland wird durch die überwältigenden Zugewinne der SNP de facto zu einem Einparteienstaat. Begünstigt durch den im Wahlsystem privilegierten Minderheitenstatus Schottlands mit seinen nur 5,3 Millionen Einwohnern, denn lediglich 4,8 Prozent der britischen Wähler insgesamt votierten für die SNP.

Katastrophales Ergebnis

Vollends katastrophal war das Resultat für die Liberaldemokraten, die ja während der letzten fünf Jahre in der von den Tories geführten Regierung saßen – in einer für Großbritannien höchst unüblichen Koalition – und 48 Mandate ihrer bisher 55 Mandate einbüßten. Die „Lib-Dems“, die Partei des politischen Zentrums, konnte im Gegensatz zur SNP 7,8 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen, erzielte damit aber nur acht Mandate.

Miliband, der am Freitagmittag seinen Rücktritt als Labour-Chef erklärte, ist nicht das einzige Opfer dieser dramatischen „Nacht der langen Messer“: Nick Clegg, der Anführer der Liberaldemokraten, hat nach einem, wie er sagte, „herzzerreißenden” Wahlergebnis auch für seine kleine Partei am Freitag den Rücktritt erklärt.

Auch Jim Murphy, der schottische Labour-Chef, musste nach dem Scheitern Labours in Schottland jetzt über die Klinge springen.

Doch weit spektakulärer ist der Rücktritt von Nigel Farage, des Chefs der neuen, euroskeptischen UKIP (UK Independence Party), die mit ihrer Forderung nach einem Austritt Großbritanniens aus der EU David Cameron vor sich her getrieben und ihn zum Versprechen eines EU-Referendums gedrängt hatte. Der charismatische Farage, der in den letzten Monaten so viel von sich reden machte, verlor seinen Sitz an ein ehemaliges UKIP-Mitglied in Kent, der zu den Tories übergelaufen ist.

Erstmals ein einziges Mandat

Die UKIP ist erstmals im Unterhaus vertreten, sie kam auf immerhin 12,7 Prozent der Wählerstimmen – erhielt damit allerdings aufgrund des britischen Mehrheitswahlrechts lediglich ein einziges Unterhausmandat.

Britain's opposition Labour Party leader Ed Miliband announces his resignation as leader at a news conference in London, Britain May 8, 2015. Prime Minister David Cameron won a shock election victory in Britain, overturning predictions that the vote would be the closest in decades to sweep into office for another five years, with his Labour opponents in tatters. REUTERS/Neil Hall TPX IMAGES OF THE DAY
Britain’s opposition Labour Party leader Ed Miliband announces his resignation as leader at a news conference in London, Britain May 8, 2015. Prime Minister David Cameron won a shock election victory in Britain, overturning predictions that the vote would be the closest in decades to sweep into office for another five years, with his Labour opponents in tatters. REUTERS/Neil Hall TPX IMAGES OF THE DAY
Britain's Liberal Democrat leader Nick Clegg announces his resignation as leader at a news conference in London, Britain May 8, 2015. Prime Minister David Cameron won a shock election victory in Britain, overturning predictions that the vote would be the closest in decades to sweep into office for another five years, with his Labour opponents in tatters. REUTERS/Eddie Keogh TPX IMAGES OF THE DAY
Britain’s Liberal Democrat leader Nick Clegg announces his resignation as leader at a news conference in London, Britain May 8, 2015. Prime Minister David Cameron won a shock election victory in Britain, overturning predictions that the vote would be the closest in decades to sweep into office for another five years, with his Labour opponents in tatters. REUTERS/Eddie Keogh TPX IMAGES OF THE DAY
David Cameron (Tories, großes Bild) gewann die Parlamentswahl, drei Parteichefs traten am Freitag zurück (von oben): Nick Clegg (Liberal Democrats), Ed Miliband (Labour) und Nigel Farage (UKIP). FOTOS: REUTERS (3), EPA
David Cameron (Tories, großes Bild) gewann die Parlamentswahl, drei Parteichefs traten am Freitag zurück (von oben): Nick Clegg (Liberal Democrats), Ed Miliband (Labour) und Nigel Farage (UKIP). FOTOS: REUTERS (3), EPA