Johannes Huber

Kommentar

Johannes Huber

Kurz, Schelling, zwei Extreme

Politik / 08.05.2015 • 22:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Sie zählen zu den beliebtesten Politikern des Landes und könnten unterschiedlicher nicht sein: Außenminister Sebastian Kurz und Finanzminister Hans Jörg Schelling. Der eine ist durch und durch Politiker, der andere alles andere als das. Der eine ist meist freundlich, der andere poltert und haut unentwegt auf den Tisch. Doch beide kommen wie gesagt an. Offenbar befriedigen sie gegensätzliche Bedürfnisse, wie es weder die Regierungschefs und Parteivorsitzenden Werner Faymann (SPÖ) und Reinhold Mitterlehner (ÖVP) noch sonst jemand auf dem Wiener Parkett tut.

Die große Stärke des Sebastian Kurz ist neben der sozialen Kompetenz, dass er die Politik durchschaut: Wenn man sich dort lange halten will, baut man sich Seilschaften auf und ist bemüht, sich keine Gegner zu machen. Man bleibt also vorsichtig und im Zweifelsfall unverbindlich. Kurz hat das perfektioniert: Als Journalisten nach einem Interview einmal einer einstigen Größe der Szene erzählten, der heute 28-Jährige habe im Grunde genommen nichts gesagt, erwiderte diese: „Sehr gut. Genau das habe ich ihm geraten.“

Das passt ganz gut zur österreichischen Außenpolitik: Man lebt Neutralität am besten so, dass man sich mit niemandem Probleme macht und mit allen Geschäfte treiben kann. So lange es halt nur irgendwie geht. Akzente gibt’s ausschließlich dann, wenn es einem innenpolitisch nützt.

Wenn Politik machen allerdings nur bedeutet, mit guten Umfragewerten im Spiel zu bleiben, dann ist das ein bisschen wenig. Das Land und seine Menschen haben schließlich nichts davon.

Hans Jörg Schelling verkörpert das glatte Gegenteil. Schon lange hat Österreich keinen Politiker mehr gehabt, der so etwas von keinem Politiker ist. Schelling kümmert sich nicht um sein Fortkommen, geschweige denn die zahlreichen Feinde, mit denen er aufgrund seiner Geradlinigkeit in und außerhalb seiner Partei konfrontiert ist. Er ist allenfalls stolz darauf, will vor allem aber seinen Job machen, also das Budget sanieren, die Verwaltung reformieren und so weiter und so fort.

Das könnte ihm zum Verhängnis werden: Zu befürchten ist, dass er damit auch jenen, die ihn einst geholt haben, auf Dauer zur Last wird und sie ihn fallen lassen. Leider. Doch Sebastian Kurz wird daneben auf seinem Weg zu einer langen Politkarriere ungestört weiterkommen. Wobei er im besten Fall an Macht und damit auch Gestaltungsspielraum gewinnt, den er nicht nur nützen kann, sondern auch nützt, wie er es einst als Integrationsstaatssekretär getan hat.

Schon lange hat Österreich keinen Politiker mehr gehabt, der so etwas von keinem Politiker ist.

johannes.huber@vorarlbergernachrichten.at
Johannes Huber ist freier Journalist und lebt in Wien.