Lernen, Leben, Erholen, Essen

Vorarlberg / 08.05.2015 • 21:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Morgensport bei guter Laune. So beginnt der Tag für die „verschränkten“ Erstklässler in Haselstauden. 

Morgensport bei guter Laune. So beginnt der Tag für die „verschränkten“ Erstklässler in Haselstauden. 

Der verschränkte Unterricht an der VS Haselstauden bietet Kindern Vollprogramm.

Dornbirn. Im Turnsaal der Volksschule Haselstauden ist bereits um 7.30 Uhr die Hölle los. Es wird gesprungen und gerannt, Bälle fliegen, helle Schreie aus Kinderkehlen durchdringen den Raum. Frühsport ist angesagt. Mitten drinnen im geordneten Bewegungstaumel steht Lehrerin Barbara Rösner (40). „So fangen wir jeden Tag an“, sagt die dynamische Pädagogin und blickt auf die Uhr. Bald ist die Sporteinheit vorbei. Ihre Schüler kommen gut aufgewärmt zum gesunden Frühstück. Ein köstliches Müsli wartet auf sie, zubereitet von der Obfrau des Elternvereins, Bettina Amann. „Leider sind mir die Erdbeeren verdorben. Aber was soll’s“, verzeiht sich die fröhliche Mama das kleine Missgeschick.

Beim Biotop

Es geht in die Klasse. Dort hat sich Barbara Rösner einen Rechenwettbewerb einfallen lassen. Die Erstklässler sind in zwei Gruppen eingeteilt und „bekämpfen“ sich mit simplen Differenzaufgaben. Der Schnellere bekommt den Punkt. Die Begeisterung ist groß.

Kurz darauf betritt Teamlehrerin Julia Gieselbrecht das Klassenzimmer. Sie bringt Muttertagskärtchen als sympathisch getarnte Leseübungen. Irgendwann verteilt Barbara Rösner ein Übungsblatt zum Thema Buchstabe G. Womit immer die Kinder beschäftigt werden, ist methodisch und pädagogisch sinnvoll aufbereitet. Dazu zählt auch Erlebnispädagoge Robert Obmann (37), der die Erstklässler zum  frisch hergerichteten Biotop neben dem Schulgebäude abholt. Dort spricht man über dort lebende Fische und das eben erst gesetzte Gemüse.

Flexibilität

Direktor Jürgen Sprickler (54) sieht den verschränkten Unterricht an seiner Bildungsstätte lebendig umgesetzt. „Wir haben uns mit dem Konzept auch sehr intensiv beschäftigt, andere Schulen besucht und auch die räumlichen Voraussetzungen geschaffen“, erklärt der Schulleiter. Stolz zeigt er das Lernatelier mit den verschiedenen Themenkisten, die Küche, den Bewegungsparcour mit den diversen Geräten, das Spielhaus mit den umbaubaren Holzwänden.

Die Idee des verschränkten Unterrichts, der eine pädagogisch ausgetüftelte Mischung aus Lernen, Leben, Spielen, Erholen und Essen über den ganzen Tag bieten soll, wird an der Elementarschule mit großem Engagement umgesetzt. „Wir haben wenig feste Einteilungen und passen die Aktivitäten der Verfassung der Kinder an“, erläutert Barbara Rösner. Das heißt: Rechnen oder Schreiben ist nicht fix für den Vormittag gebucht und Sport für den Nachmittag. Man ist in höchstem Maß flexibel.

Es gibt daher auch keine schrille Schulglocke, die zur Pflicht mahnt und in die Pause entlässt. Für die Debütanten des verschränkten Unterrichtsmodells an der VS Haselstauden existiert eine Ordnung der klügeren Art.

Verdoppelung als Ziel

„Ohne mein Team und der Zustimmung des Schulforums wäre dieses Unterrichtsmodell nicht möglich“, sagt Jürgen Sprickler selbstlos. Aber jetzt ist der Weg der verschränkten Ganztagsklassen an der Schule vorgezeichnet. Im kommenden Schuljahr steigt die nächste Klasse ein, in den folgenden zwei Jahren zwei weitere.

Die mit 55.000 Euro (pro Klasse) geförderten Ganztagsklassen sind in Vorarlberg ein großes Bildungsziel. Derzeit gibt es 69 solcher Klassen an 23 Schulstandorten mit insgesamt 1349 Kindern. In den nächsten drei Jahren sollen diese Zahlen verdoppelt werden.

Ohne mein Team und die Zustimmung des Schulforums wäre dieses Modell nicht möglich.

Jürgen Sprickler
In der Klasse wird leidenschaftlich gerechnet.

In der Klasse wird leidenschaftlich gerechnet.

Ein Müsli zum Frühstück. Das schmeckt. Fotos: VN/Paulitsch

Ein Müsli zum Frühstück. Das schmeckt. Fotos: VN/Paulitsch

Muttertagskarte als Leseübung. Die Mama ist präsent.

Muttertagskarte als Leseübung. Die Mama ist präsent.