Roboter und Menschen

Markt / 08.05.2015 • 19:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Martin Eberle ist stolz auf sein Verfahren, mit dem Produktionsmaschinen virtuell getestet werden können. Fotos: VN/GMS
Martin Eberle ist stolz auf sein Verfahren, mit dem Produktionsmaschinen virtuell getestet werden können. Fotos: VN/GMS

Maschinen, die selber lernen und gemeinsam mit Menschen arbeiten, verändern die Industrie.

Dornbirn. (VN-gms) Das Dornbirner Unternehmen Eberle Automatische Systeme kann bereits jetzt auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Immerhin wurde man vom Land Vorarlberg mit dem Innovationspreis „Bestes Kleinunternehmen“ ausgezeichnet und außerdem erhielt man eine Nominierung beim „Econovius 2015“ des Wirtschaftsministeriums. Grund also, zu feiern. Geschäftsführer Martin Eberle nutzte die Gelegenheit, um Kunden und Partner einzuladen. Im Rahmen der Veranstaltung wurden dabei nicht nur die ausgezeichneten Projekte vorgestellt, sondern mit Wolfgang Ertel auch ein namhafter Experte aus der universitären Forschung eingeladen. Er gab Einblick in die neuesten Entwicklungen und wagte auch eine Vorschau in die nahe und ferne Zukunft der künstlichen Intelligenz.
Ertel, Leiter des Instituts für Künstliche Intelligenz der Hochschule Ravensburg-Weingarten, gab dabei Einblicke in die Forschung. Er beschäftigt sich seit 20 Jahren mit künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen. „Vereinfacht gesagt, versuchen wir Robotern, Maschinen und Computern das Lernen beizubringen.“ Hier müssten ethische Gedanken eine Rolle spielen, denn nicht alles, was möglich sein wird, ist auch wünschenswert. Hier sieht Ertel eine zusätzliche Aufgabe für die Universitäten. Die Frage zur „Produktion von morgen“ sieht er in einem Miteinander von Roboter und Mensch. Bisher bleiben diese, aus Sicherheitsgründen, meist komplett voneinander getrennt: Moderne Roboter können aber auf Menschen reagieren und ermöglichen ein gemeinsames Arbeiten. Sie sollen in Zukunft als „dritte Hand“ oder „drittes Auge“ eingesetzt werden. Sie werden aber auch selbstständiger: „In der Fabrik von morgen gestalten selbstlernende und selbstkonfigurierende Systeme den Produktionsprozess, Maschinen lösen komplexe Aufgaben selbstständig und merzen Fehler selbst aus ohne entsprechende Programmierung“, so Ertel.

Industrie 4.0

All diese Neuerungen werden gerne als die kommende Industrielle Revolution bezeichnet und haben mit Schlagwort Industrie 4.0 einen griffigen Namen erhalten. Dass diese Revolution bereits im Gange ist, zeigte Martin Eberle in seinem Unternehmen auf. Zu den Sondermaschinenbau-Produkten des Unternehmens gehören unter anderem sensitive Roboter, die mit Sensoren ausgestattet sind. Diese erkennen nicht nur Hindernisse, sondern passen sich auch selbstständig der jeweiligen Aufgabe an. „Das heißt, die Maschine hebt zum Beispiel sehr sensible Teile anders als robuste oder schwere“, erklärt Eberle. Mit Kamerasensoren können die Roboter  Werkstücke identifizieren, deren Qualität überprüfen und auch die Steuerung durch Gesten wird möglich.
Intelligente Sensoren sind überhaupt ein Thema, das Eberle beschäftigt. Denn mit dem neu entwickelten „mcc – Mobile Control Center“ stellte Eberle seinen Kunden eine neue Anwendung vor, bei der verschiedene Anlagen über das Internet miteinander kommunizieren und über den Betriebszustand informieren. So können Produktionsanlagen von extern überwacht werden und Probleme werden frühzeitig erkannt.
Sinn der Entwicklungen ist es, die Produktivität zu steigern. Dafür dient ein von Eberle entwickeltes Verfahren als gutes Beispiel. Eine Maschine wird aus den Plan-Daten virtuell am Computer erstellt und kann dann ausführlich getestet und eingerichtet werden: das verkürzt die Entwicklungszeit und spart Kosten. Zudem kann an der virtuellen Maschine auch die Produktion von Neuteilen getestet werden, während die „echte“ Maschine noch andere Teile herstellt.

Wir versuchen, Maschinen das Lernen beizubringen.

Prof. Wolfgang Ertel