Teilhabe bildet Heimat

Vorarlberg / 08.05.2015 • 20:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Teilnehmer von FH und aqua mühle gestalten die Bausteine der sogenannten Heimatwand.  Foto: Aqua Mühle  
Teilnehmer von FH und aqua mühle gestalten die Bausteine der sogenannten Heimatwand. Foto: Aqua Mühle  

Das zehnte „Aqua-Forum“ stellt die Grenzen unterschiedlicher Lebenswelten infrage.

Frastanz. Heimat lautete der zentrale Begriff des zehnten „Aqua-Forums“ am Freitag in Frastanz. Nicht aus- und abgrenzend, sondern verbindend wollten die Initiatoren und Teilnehmer das Wort verstanden wissen. Doch für ein Heimatempfinden sei die Teilhabe an der Gesellschaft Voraussetzung.

Nicht zuletzt stand die Veranstaltung der Sozialeinrichtung aqua mühle aber auch im Zeichen des Gedenkens an Thomas Vogel. Der Mitgründer der aqua mühle war Ende vergangenen Jahres nach schwerer Krankheit verstorben. In den Gesprächen mit Vogel „konnte ich nicht nur viel lernen, sondern auch meine Wertewelt schärfen“, erinnerte sich Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser an den Verstorbenen.

„Ohne Teilhabe keine Heimat“

Das Motto des zehnten „Aqua-Forums“, „ohne Teilhabe keine Heimat“, illustrierte ein Projekt, das zwölf Teilnehmer der aqua mühle mit ebenfalls einem Dutzend Studenten der Sozialen Arbeit an der FH Dornbirn realisierten. Sie bauten vier Tage lang eine „Heimatwand“.

Sie ist nach den fünf Säulen der Identität nach Hilarion Petzold aufgebaut. So haben die Teilnehmer auf selbst gebastelten Würfeln Gedanken verewigt, die in die fünf Begriffe Leiblichkeit, soziale Beziehungen, Arbeit und Leistung, materielle Sicherheit sowie Werte einzugliedern sind. In der Pause der Veranstaltung konnten die Teilnehmer im vollbesetzten Adalbert-Welte-Saal die Wand betrachten.

Spannende Interaktion

Ein Credo von Thomas Vogel , dass, wer „zum Schaffa“ geht, auch etwas schaffen, also schöpfen sollte, bestätigte sich in dem Projekt. „Das Befriedigendste war, zu sehen, wie etwas entsteht“, erzählte Martina Merz den VN, die als Teilnehmerin der aqua mühle an der Heimatwand mitbastelte. Auch wenn es „eine Riesenherausforderung“ war, habe sich das Zusammenkommen mit den Studenten gelohnt. „Die Interaktion mit den Menschen der aqua mühle war besonders spannend“, erinnert sich Studentin Elke Martin. Die teils unterschiedlichen Eindrücke der 24 Teilnehmer galt es auf einen Nenner zu bringen.

Normen überdenken

„Teilhabe ist keine Einbahnstraße“, betonte der stellvertretende VN-Chefredakteur Andreas Feiertag, der als Gastreferent sprach. Er kritisierte das rein auf Wachstum und Leistung ausgerichtete Wirtschaftsdenken einer Gesellschaft, die immer weniger selbstständig denkende, zur Empathie fähige Menschen hervorbringe.

Die Alternative dazu sei eine humanistische Ökonomie, die nicht nur Randgruppen eine Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht, sondern auch den Menschen der genormten Gesellschaft den Zugang zu neuen Lebenswelten öffnet. „Was für eine Bereicherung das wäre“, so Feiertag.

In den normierten Köpfen muss ein Umdenken stattfinden.

Andreas Feiertag