Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Watte im Magen

Gesund / 08.05.2015 • 11:44 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die drei Mädchen schlendern gemächlich über den Schulhof. Jedes mit Chips und Cola in der Hand, jedes etwas beleibter als dem Alter zuträglich wäre. Sie unterhalten sich angeregt. Gesprächsfetzen ist zu entnehmen, dass es ums Gewicht geht. „Wie schwer bist du eigentlich?“, fragt ein Mädchen seine Klassenkameradin. „Jedenfalls nicht so schwer wie. . .“ Der Name der Unglücklicheren geht im Rascheln der Tüte unter.

Ja, das Leben meint es wirklich gut mit uns. Es findet sich doch immer etwas und jemand, dem die eigenen Unzulänglichkeiten in die Schuhe geschoben werden können. Noch schlechter als der eigene Zustand, das geht immer. Allerdings gibt es Dinge, die manifestieren sich und lassen sich irgendwann nicht mehr verniedlichen oder verstecken. Die sind da und sichtbar. Gut sichtbar. Das Gewicht ist so ein verflixtes Dingsda. Gut, ein paar Kilo zu viel lassen sich mit XXL-Größen zumindest ein bisschen kaschieren. Und vermutlich schaden die auch nicht. Es heißt ja, es zählt das Wohlfühlgewicht. Dieses hat nur einen Haken. Es fühlt sich plötzlich auch mit noch mehr und noch mehr Kilos gut an. Bis der Gesundheit sprichwörtlich der Kragen platzt.

Sie müssen jetzt nicht, wie das Magermodels zu tun pflegen, den Magen mit Watte füllen. Hört sich ohnehin grässlich an. Es reicht schon eine einigermaßen vernünftige Ernährung und Bewegung dazu. Doch das alles muss/sollte im Kindesalter beginnen. Was Hänschen nicht lernt, kann Hans durchaus noch lernen. Aber vielleicht ist es dann schon zu spät.

marlies.mohr@vorarlbergernachrichten.at