Wenn die Briten-Raubkatze erwacht

Motor / 08.05.2015 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jaguar XE: Erregendes Element in der Business Class zu bürgerlichen Preisen. Fotos: werk
Jaguar XE: Erregendes Element in der Business Class zu bürgerlichen Preisen. Fotos: werk

Katzen schlafen 18 Stunden. Täglich, mindestens. Jaguar nicht. Bestes Beispiel: der XE.

Jaguar. Die Zeit beschaulichen Wirkens unter dem Ford-Regime ist längst vorbei. Seit Jaguar und Land Rover dem indischen Tata-Konzern mit seinem an automobilem High-Life lebhaft interessierten Chef angehören, wird wieder freudig und kreativ gewerkt.

Jetzt macht sich die Raubkatze erneut auf die Pfoten. Der XE dringt in ein Revier ein, in dem bisher die deutschen Platzhirsche friedlich grasen konnten und sich höchstens gegenseitig vor die Geweihstangen kamen. Das ist jetzt vorbei. Zum Entzücken anglophiler Autofreaks setzt Jaguar den XE auf Premium-Konkurrenten wie die Mercedes C-Klasse, den Audi A4 oder die 3er-BMW an. Auch die nächsthöhere Business-Klasse wird dem Biss des neuen Kompakt-Jaguar nicht ungeschoren entgehen.

Ein aufregendes Auto, diese neue Mittelklasse aus Solihull. Auf den ersten Blick nicht umwerfend spektakulär, mehr in sich ruhend auf dem Fundament sich neu heranbildender Jaguar-Traditionen. Aber nach den ersten Ausfahrten lässt sich Begeisterung für diesen neuen Jaguar nicht unterdrücken. Da tritt, ab Juni, ein „Fahrerauto“ an die anspruchsvolle Klientel heran, dessen Eigenschaften in Summe die Herzen vieler Bewunderer britischer Automobilbaukunst wiedergewinnen wird.

Außer dass es einer gewissen Gelenkigkeit beim Einsteigen bedarf (der schlanken Dachlinie wegen) und dass der Kofferraum ein wenig zerklüftet wirkt, ist nichts auszusetzen an der neuen Sportlimousine. In einer großen Modellvielfalt wird sie zu Preisen ab 37.000 Euro angeboten. Das Preisniveau ist weitaus weniger „Premium“ als das Produkt an sich. Das war nicht immer so bei Jaguar. Mit anderen Worten: das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. „Premium“ kann auch recht vernünftig sein.

Das Leistungsspektrum ist breit angelegt: von dynamisch-solid bis top-sportlich, dass einem fast den Atem verschlägt bei der spontanen Leistungsentfaltung des sechszylindrigen Top-XE mit der Typenbezeichnung „S“. Aus dem steigt jeder mit glänzenden Augen aus. Oder ein wenig blass.

163 bis 340 PS: gesplittet in drei Benziner und zwei Diesel. CO2 ab 99 g/km. Höchstgeschwindigkeiten bis 250 km/h. Auf allen diesen Ebenen kommt Freude auf, jeder Motor für sich ein „Gedicht“, völlig neu konstruiert die Vierzylinder. Den Sechszylinder borgt sich die Stufenhecklimousine, der hoffentlich bald ein Kombi folgen wird, beim zweisitzigen Sportboliden F-Type.

Leicht und steif dank Alu

Dass das kernige Supersound-Aggregat auch in der Limousine mehr als bewegend tätig werden kann, dafür gibt’s zwei Hauptgründe: zum einen die Aluminium-Leichtbauarchitektur des XE, die in Sachen Steifigkeit der Karosserie vieles in den Schatten stellt (Alu-Anteil: 75 Prozent) und zum anderen das Fahrwerk, vorn Alu-Doppelquerlenkerachse, hinten Alu-Integral-Einzelradaufhängung. Es spannt den Bogen vom Höchstkomfort fast bis zum Rennsport-Trimm. Ein Fahrerlebnis, mit dem Jaguar Zeichen setzt.

Das Ganze kombiniert mit ZF-Achtgangautomatik oder Sechsgangschaltung, ab 2016 kommt noch Allrad hinzu.

Drei Jahre Garantie, drei Jahre Service locken.
Drei Jahre Garantie, drei Jahre Service locken.
Sportelemente zieren das Cockpit.
Sportelemente zieren das Cockpit.

Fakten

Jaguar XE

Motoren: drei Benziner, zwei Diesel, 163 bis 340 PS
Preise: ab 37.000 Euro
Markteinführung: Juni