Wie möchten Kinder leben?

Leserbriefe / 08.05.2015 • 18:56 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 6. Mai 2015.
VN-Bericht vom 6. Mai 2015.

Wie passend zum Muttertag, und wie zynisch zugleich: Familienministerin Sophie Karmasin verlautbarte unlängst, dass sich die frühkindliche Fremdbetreuung positiv auf die Entwicklung insgesamt und auch auf die weitere Bildungskarriere auswirkt. In der Krippe sieht sie eine Bildungschance, die jenen Kindern verwehrt bleibt, die in den ersten drei Lebensjahren zu Hause aufwachsen und verwendet diese haarsträubende Aussage, um für eine verstärkte Förderung der Fremdbetreuung zu argumentieren. Das lässt folglich die Frage aufkommen, wie sind wir zu einem Volk großer Dichter und Denker, grandioser Künstler und Handwerker, bodenständiger, erfolgreicher, fantasievoller und mitfühlender Frauen und Männer geworden, obwohl wir unsere Kindheit nicht in einer Kinderbetreuungsstätte verbracht haben, sondern von unseren Müttern und Vätern zu Hause betreut und erzogen wurden? Mein Hausverstand sagt mir, dass es wahrscheinlich zielführender wäre, Eltern in ihrer Erzieherrolle zu unterstützen, um den vielfältigen Aufgaben innerhalb der Familie besser gewachsen zu sein. Inzwischen gibt es ja schon eine Reihe aussagekräftiger Untersuchungen zu Fragen der sozio-emotionalen und kognitiven Entwicklung von Kindern in Tagesbetreuung, alle mit demselben Ergebnis: Diese Betreuungsstätten sind nicht zum Wohle der Kinder geschaffen worden.

Emma Fechtig,

Schachen 366,

Lingenau