Das Spiel der letzten Chance

Sport / 10.05.2015 • 23:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Michael Raffl und Raphael Herburger kommen am lettischen Torhüter Edgars Masalskis nicht vorbei, der von Verteidiger Oskars Cibulskis Unterstützung bekommt. Foto: gepa
Michael Raffl und Raphael Herburger kommen am lettischen Torhüter Edgars Masalskis nicht vorbei, der von Verteidiger Oskars Cibulskis Unterstützung bekommt. Foto: gepa

Gegen Deutschland steht für das Eishockeyteam der Klassenerhalt auf dem Spiel.

Prag. Das erste Finalspiel um den Klassenerhalt wurde gegen Lettland (1:2 n.V.) unverdient verloren, heute (16.15 Uhr) hat Österreichs Eishockey-Team die zweite und wohl letzte Chance. Österreich benötigt bei der WM in Prag gegen Deutschland zumindest einen Punkt, um sicherzugehen, aber einen Sieg nach 60 Minuten mit zwei Toren Unterschied, um erstmals seit elf Jahren nicht gleich wieder abzusteigen.

23 Torchancen

Daniel Ratushny trug trotz der Niederlage viel Optimismus zur Schau, die Entwicklung des Teams stimmt ihn zuversichtlich. Der ÖEHV-Teamchef konnte mit dem Auftritt seiner Truppe tatsächlich zufrieden sein, lediglich die Effektivität vor dem Tor fehlte. „Das war unser stärkstes Spiel bei dieser WM“, sagte der Kanadier.

Er hat gegen Frankreich neun Torchancen gezählt, gegen Lettland aber 23. „Das ist viel, da können wir Selbstvertrauen daraus ziehen. Natürlich geht es in einem Spiel nicht um Torchancen, sondern um Tore. Aber wenn du so viele Chancen herausspielst, dann kommen auch Tore. Hoffentlich kommen sie früher als später, weil wir brauchen Tore gegen Deutschland“, erklärte Ratushny.

Im Training wurde daher intensiv der Abschluss trainiert. „Wir arbeiten daran. Kann man Tore schießen trainieren? Darüber kann man diskutieren. Aber wir versuchen es, wir warten nicht und sagen: Lassen wir die Götter entscheiden, ob wir treffen“, sagte der Coach.

Ratushny ist auch überzeugt, dass seine Mannschaft die mentale Kraft hat, sich schnell von der unglücklichen Niederlage zu erholen. „Wenn du nach ein paar Niederlagen down gehst, solltest du nicht im Sport sein. Ein Teil des Geschäftes ist, dass du mental stark sein musst“, betonte der Kanadier, der sein Team bereit für das Entscheidungsspiel sieht. „Druck kann gut sein, er gibt dir einen Extra-Fokus, wenn er nicht zu viel wird. Aber die Fähigkeit eines Profis muss sein, mit dem Druck umgehen zu können.“ Er stellt sein Team auf einen Gegner ein, der „groß, physisch“ ist und „ähnlich wie Lettland, kontrolliert und kompakt“, spielt. Also ein Gegner auf Augenhöhe, wie auch Michael Raffl meint. „Die Deutschen sind sicher in unserer Reichweite“, betonte der Stürmer.

Nur mit einem Sieg sind Österreichs Chancen auf einen Platz bei der WM 2016 in Moskau und St. Petersburg gut. Gegen Top-Favorit Kanada sind zum Abschluss morgen (12.15 Uhr) keine Punkte zu erwarten, gegen Deutschland könnte ein Zähler auch zu wenig sein. Denn dann wäre Schützenhilfe von Lettland in Form eines Sieges gegen Frankreich am Dienstag notwendig. Aber schon einmal hat Österreich vergeblich auf deren Hilfe gehofft. Bei der WM 2007 in Moskau und Mytischi besiegte die ÖEHV-Auswahl die Ukraine 8:4, im Parallelspiel gingen aber die bis dahin sehr starken Letten, die schon gerettet waren, gegen Norwegen gleich mit 4:7 unter. Österreich stieg dadurch ab.

Auch das Torverhältnis zählt

Deutschland hat nach der 2:4-Niederlage gegen Tschechien keine Chance mehr auf das Viertelfinale. Und die Mannschaft von Pat Cortina ist auch die Abstiegssorgen noch nicht los. Österreich könnte mit Frankreich und Deutschland am Ende punktegleich dastehen. Dann würden nur die Spiele untereinander gewertet – und die Deutschen würden mit dem schlechtesten Torverhältnis absteigen.

Ein Teil des Geschäfts ist, dass du mental stark sein musst.

DAn RAtushny