Gut gelaunt in die Orchesterferien

Kultur / 10.05.2015 • 19:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Symphonieorchester Vorarlberg mit Gérard Korsten am Pult und dem heimischen Trompetenstar Jürgen Ellensohn. Foto: JU  
Symphonieorchester Vorarlberg mit Gérard Korsten am Pult und dem heimischen Trompetenstar Jürgen Ellensohn. Foto: JU  

Symphoniker verschaffen Jürgen Ellensohn ein glänzendes Debüt als Trompetenlehrer.

FELDKIRCH. Saisonschluss beim Symphonieorchester Vorarlberg – ein letztes Mal wurden beim 5. Abokonzert am Samstag im ausverkauften Montforthaus die Kräfte gebündelt für ein „finale grande“, das über den Sommer in Erinnerung bleiben sollte. Mit Chefdirigent Gérard Korsten am Pult, mit Mozart und Haydn und dem heimischen Trompetenstar Jürgen Ellensohn als glänzendem Solisten gelang das auch mühelos.

Genau genommen ist der Abend natürlich auf ihn zugeschnitten: Jürgen Ellensohn (37), gebürtiger Götzner, seit zehn Jahren in der exponierten Position als Solotrompeter beim renommierten Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks tätig und seit Februar zudem Lehrer einer Trompetenklasse am Feldkircher Landeskonservatorium, die er von seinem pensionierten ehemaligen Lehrer Lothar Hilbrand übernommen hat. Für einen Workaholic wie Ellensohn mit verständnisvollen Arbeitgebern gehen sich auch beide Jobs als Spitzentrompeter und Pädagoge nebeneinander aus, umso mehr, als die Anzahl seiner Schüler überschaubar bleibt.

Spieltechnische Feinheiten

Das Konzert mit dem SOV ist nach längerer Zeit wieder der erste Auftritt im Land. Vielleicht nicht zuletzt deswegen hat Ellensohn das Trompetenkonzert Es-Dur von Johann Nepomuk Hummel gewählt, ein klassisches Standardkonzert auch bei Prüfungen, das den Solisten in vielfältiger Weise fordert. Genau diese spieltechnischen, klanglichen und interpretatorischen Feinheiten demonstriert Ellensohn in überlegener Weise auf seiner Es-Trompete, hoch musikalisch, mit Durchhaltevermögen, sensibler Phrasierung und großer Routine. Allein die noch nicht optimale Akustik des Hauses verhindert, dass sein Ton auch bis in die letzten Reihen „trägt“ und entsprechendes Volumen erhält.

Die Zusammenarbeit mit Gérard Korsten und dem SOV, die vor Jahren bei den Festspielen mit einer Aufführung des Weinberg-Trompetenkonzertes begann, ist nach beiderseitiger Aussage schon bei den Proben von Herzlichkeit und Freundschaft getragen und ergibt auch beim Konzert ein Höchstmaß an innerer Übereinstimmung. Für eine Zugabe des alten Jazztitels „Misty“ von Erroll Garner greift Ellensohn dann aus seinem 15 Instrumente umfassenden Fundus zu einem speziellen Flügelhorn und beweist solo auch in diesem Bereich tolles Feeling mit butterweichen Improvisationen. Orchester und Dirigent sind davor und danach gut aufgelegt und spielen quasi das „Rahmenprogramm“ klug disponiert, schlank und rhythmisch pointiert. Strawinskys konzertante Tänze wollen sich zwar nicht so ganz ins klassische Gefüge einordnen und bilden eine Art Fremdkörper, werden aber kammermusikalisch delikat ausgekostet. Bei Mozarts „kleiner“ g-Moll-Symphonie am Beginn bleibt einem fast die Luft weg angesichts des entfesselten Temperaments, das Mozart-Spezialist Korsten da an den Tag legt. Das wird am Schluss in einer sehr fantasievoll ausgedeuteten Symphonie relativiert, die Haydn mit Etikettenschwindel als „Trauersymphonie“ bezeichnet hat, obwohl sie außer ein paar Seufzermotiven im ersten Satz ein durchaus fröhliches Stück Musik ist – gut geeignet zum Abschied in die Ferien und von einem beifallsfreudigen Publikum.

Hörfunksendungen: 31. Mai, 20.05 Uhr, Radio Vorarlberg (Ausschnitte); 1. Juni, 10.05 Uhr, Ö1 (Gesamtwiedergabe)