„Idee gut, aber Ausführung mäßig“

Markt / 10.05.2015 • 20:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Malerarbeiten gehören zu den geförderten Leistungen.  VN/Steurer
Malerarbeiten gehören zu den geförderten Leistungen. VN/Steurer

Dem Handwerkerbonus mangelt es in der jetzigen Form an Durchschlagskraft.

Gernot Schweigkofler

Schwarzach. Seit dem Jahr 2014 gibt es den Handwerkerbonus. Dieser ermöglicht es Privatpersonen, für Handwerkerleistungen bei Renovierung, Erhalt oder Modernisierung des Eigenheims oder der Wohnung bis zu 600 Euro an Förderung zu kassieren. Ziel der Maßnahme ist die Eindämmung der Schwarzarbeit. „Ich glaube nicht, dass mit dem Handwerkerbonus auch nur eine Schwarzarbeiterstunde verhindert wurde“, sieht Thomas Peter, Spartengeschäftsführer für Gewerbe und Handwerk in Vorarlberg, das Ziel verfehlt. „Die Idee ist gut, aber die Ausführung mäßig“, bringt er seine Kritik auf den Punkt. Was ihm an der aktuellen Handhabung nicht gefällt, ist der hohe Verwaltungsaufwand, der für den Antragsteller entsteht, die nicht immer schlüssigen Förderrichtlinien, und außerdem müsse der Bonus besser dotiert werden.
Gefördert werden in der Maßnahme die Arbeitsleistungen der Handwerker, nicht aber Material oder Fahrtkosten. Außerdem werden keine Arbeiten für die Erweiterung von Wohnraum oder im Außenbereich gefördert. Die Arbeiten müssen beim Antragsteller erbracht werden. Das bedeutet, dass Tischlerarbeiten, die in der Werkstatt durchgeführt werden, nicht förderungwürdig sind. Auch dass Gärtnerarbeiten oder Arbeiten wie die Reinigung von Fassaden ausgeschlossen werden, kritisiert Peter.
Für Chaos sorgte, dass der Bonus nach dem Prinzip „First come, first served“ vergeben wird. Betriebe informieren die Kunden über die Möglichkeit des Bonus, können aber nicht garantieren, dass dieser dann auch tatsächlich gewährt wird. Der Handwerkerbonus 2014 lief im November aus, da der Topf leer war. Wer zu spät eingereicht hatte, fiel durch den Rost. Die Politik reagiert zwar und gab den Topf für das Jahr 2015 ab 1. Dezember frei – aber eben nur für Antragsteller ab dem 1. Dezember. Das brachte Kunden um die vermeintlich sichere Förderung, und die Kritik entlud sich an den Handwerksbetrieben.

Österreichweit zeigt sich Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl  optimistisch, dass der Bonus, der bisher auf 2014 und 2015 begrenzt zugesichert war, verlängert wird. Zuvor steht allerdings noch eine Evaluierung an. Für Spartengeschäftsführer Peter gehört der Bonus für alle Handwerksbetriebe geöffnet, die Abwicklung muss erleichtert und das Fördervolumen erhöht werden, um wirklich Sinn zu machen. Eine sinnvolle Erhöhung „durchaus um die Potenz 10“ sei aber in Zeiten des Sparens wohl schwierig umzusetzen.

„Lage ist gut“

Die wirtschaftliche Lage der Handwerks- und Gewerbebetriebe bezeichnete Peter im VN-Gespräch als gut. Der Markt habe sich beruhigt, aber die Nachfrage sei immer noch gut. Die Betriebe in Vorarlberg profitieren laut Peters Einschätzung vom starken Franken in mehrerlei Hinsicht: Zum einen sei man für Auftraggeber in der Schweiz und Liechtenstein über Nacht 20 Prozent günstiger geworden und zum anderen bringe der starke Umsatz durch Schweizer Kunden im Tourismus und Handel wichtige Impulse, welche sich positiv auf die Auftragslage der Handwerker auswirken.
Dass die Bautechnikverordnung überarbeitet wird, begrüßt Peter. Aufseiten des Landes würden nun auch
die Praktiker vom Hochbauamt mit am Verhandlungstisch sitzen, was er positiv sieht. Für den Spartenleiter wäre es überhaupt notwendig, dass man die vielen Verordnungen eindämmt: Das würden den Betrieben am meisten helfen.

Ich glaube nicht, dass der Bonus auch nur eine Schwarzarbeiter-Stunde verhindert.

Thomas Peter