Kubas Staatschef ist vom Papst begeistert

Politik / 10.05.2015 • 22:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kubas Präsident Raul Castro (83, l.) traf am Sonntag Papst Franziskus (78) zu einer privaten Audienz im Vatikan. FOTO: EPA
Kubas Präsident Raul Castro (83, l.) traf am Sonntag Papst Franziskus (78) zu einer privaten Audienz im Vatikan. FOTO: EPA

Raul Castro dankte Franziskus für seine Rolle bei US-kubanischer Annäherung.

Vatikanstadt. (VN) Papst Franziskus hat Kubas Staatschef Raul Castro im Vatikan empfangen. Das Treffen dauerte etwa eine Stunde. „Ich habe dem Papst für seinen Beitrag zur Annäherung zwischen Kuba und den USA gedankt“, sagte der 83-jährige Castro nach dem Treffen der italienischen Nachrichtenagentur ANSA zufolge. Im Anschluss waren Gespräche zwischen Castro und Italiens Regierungschef Matteo Renzi geplant. Erzbischof Georg Gänswein hatte Castro am Sonntagvormittag im Vatikan begrüßt. Das private Gespräch fand im Arbeitszimmer des Papstes statt. Zuletzt hatte 1996 Raul Castros damals regierender Bruder Fidel Papst Johannes Paul II. im Vatikan getroffen.

Der 78 Jahre alte Argentinier hatte bei der historischen Annäherung zwischen den USA und Kuba im vergangenen Jahr als Vermittler eine entscheidende Rolle gespielt. Der Pontifex schrieb nach Vatikan-Angaben Briefe an beide Staatschefs und empfing Delegationen der Länder, um einen konstruktiven Dialog zu ermöglichen.

Geheime Verhandlungen

Kuba und die USA verkündeten im Dezember überraschend einen diplomatischen Neustart nach mehr als 50 Jahren Eiszeit. Der Deal wurde unter anderem durch einen Gefangenenaustausch nach 18 Monaten Geheimverhandlungen möglich. In der Zeit soll auch der Papst zwischen beiden Seiten vermittelt haben. US-Präsident Barack Obama und sein kubanischer Amtskollege Raul Castro bedankten sich ausdrücklich beim Papst für seine Rolle bei den Gesprächen.

Erst Kuba, dann die USA

Im September will Franziskus vor seiner USA-Reise Kuba besuchen. Dort wird sein Besuch mit Spannung erwartet. Das Land sei stolz auf den lateinamerikanischen Papst, sagte Außenminister Bruno Rodriguez, nachdem der Vatikan Ende April die Reise bekannt gab. Franziskus wird nach Johannes Paul II. 1998 und Benedikt XVI. 2012 das dritte katholische Oberhaupt sein, das den Karibikstaat besucht. Auch die Katholische Kirche Kubas begrüßte die Ankündigung. Das Erzbistum in Havanna hob hervor, dass Franziskus eine wichtige Rolle bei der jüngst eingeleiteten Annäherung zwischen Kuba und den USA spielte.

Rückführung zum Glauben

Die Kommunistische Partei Kubas lässt christlichen Glauben eigentlich nicht zu. Und doch will Staatschef Castro beim Papst-Besuch im September alle Messen besuchen. „Ich habe alle Reden des Papstes gelesen, seine Kommentare, und wenn der Papst so weitermacht, werde ich wieder anfangen zu beten und in die Kirche gehen“, sagte Castro am Sonntag.