Christiane Eckert

Kommentar

Christiane Eckert

Peinlich

Vorarlberg / 10.05.2015 • 22:18 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Anwälte können vieles vorbringen und zugunsten ihrer Mandantschaft beinahe behaupten, was sie wollen. Jeder weiß – es ist ihr Job, parteiisch zu sein und sich für ihre Klienten einzusetzen. Das ist im Sinne eines fairen Verfahrens zu rechtfertigen.

Und Rechtsanwälte können nicht all jene Mandanten fortschicken, die ihnen unsympathisch sind oder deren Ziele sie für unredlich halten. Auch dafür hat man Verständnis. Doch es ist eine Frage des Anstands und des Niveaus, wie weit man sich in diesem Beruf aus dem Fenster lehnt. Selbst der mit dieser Causa befasste Richter empfand es als schockierend, dass man im Zusammenhang mit einem behinderten Menschen solche Dinge vorbringt.

Die gehandicapte Frau ist darauf angewiesen, ihr Fahrzeug möglichst unkompliziert benutzen zu können, um wenigstens ein bisschen von jenem Freiraum zu genießen, der für Nichtbehinderte selbstverständlich ist. Dass der Klagsvertreter von „nicht erbaulichem Anblick“ spricht, schlägt dem Fass den Boden aus. Er findet es „unangenehm, ständig auf die bedauernswerte Situation der Behinderten“ hingewiesen zu werden. Sämtliche Argumente vorzubringen ist nachvollziehbar, doch in diesem Fall war es befremdend, menschenverachtend und völlig daneben.

christiane.eckert@vorarlbergernachrichten.at