Auch heuer kaum Feuerbrand

Vorarlberg / 11.05.2015 • 20:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Feuerbrand ist für Obstbauern ein Albtraum.  Foto: VN/Steurer
Der Feuerbrand ist für Obstbauern ein Albtraum. Foto: VN/Steurer

Perfektes Anti-Infektionswetter führte zu Entwarnung. Obstbauern sind erleichtert.

Schwarzach. (VN-hk) Das Zittern hat ein Ende, und das Thema Feuerbrand darf für heuer praktisch ad acta gelegt werden. Diese erfreulichen Mitteilungen können die Obstbauern seit dem gestrigen Montag verkünden. Dadurch war auch kein Streptomycin-Einsatz gegen die gefährliche Bakterienkrankheit, die seit vielen Jahren die Landwirte in Angst und Schrecken versetzt, notwendig.

Vieles ist abgeblüht

Die Birnen sind schon vollständig abgeblüht, bei den Äpfeln sind noch einige wenige am Blühen. „Zumindest im Tal ist die Gefahr so gut wie gebannt“, berichtet Ulrich Höfert (52), Obstbaureferent in der Vorarlberger Landwirtschaftskammer. Es seien Hunderte Blütenproben im Bodenseeraum genommen worden. „Und da waren wenige Bakterien zu finden“, freut sich der Experte mit den Landwirten. Das Antibiotikum Streptomycin wurde in Vorarlberg nun schon das dritte Jahr in Folge nicht mehr verwendet. Streptomycin ist bekanntlich sehr umstritten und darf, wenn überhaupt, nur unter strengen Auflagen verwendet werden.

Kommt der Föhn?

„Die Proben haben gezeigt, dass in den letzten drei, vier Jahren in den Obstkulturen einiges geschehen ist. Aber natürlich hat uns vor allem das Wetter in die Hände gespielt“, bilanziert Höfert. Während in der Bodenseeregion für die Erwerbsbauern Entwarnung gegeben werden kann, müssen Besitzer von kleineren Anlagen und Hochstämmern in höheren Regionen noch etwas zittern. „Es wird sich zeigen, wie stark der Föhneinfluss in den nächsten zwei Tagen noch ist. Davon hängt es ab, ob es dort zu Schäden kommt.“

Angst bleibt

Nach der Feuerbrandangst ist dennoch immer wieder vor der Feuerbrandangst. Das nächste Frühjahr kommt bestimmt. Dann wird es wegen der vorherrschenden Wetterverhältnisse auch wieder mit dem Zittern losgehen. „Ein Jahr wie 2007, und die Situation würde sich wieder dramatisch zuspitzen“, weiß Experte Höfert. Zumal die biologischen Alternativmittel in ihrer Entwicklung und vor allem im Zusammenhang mit einer möglichen Zulassung noch keine wirklich zuverlässigen Waffen gegen die Bakterienkrankheit sind.

Höfert berichtet zwar von Teilerfolgen, aber nicht vom Durchbruch in der Bereitstellung von ökologischen Mitteln gegen den Feuerbrand. „Für das Mittel LMA hat eine Firma jetzt einen Antrag gestellt. Aber bis zu einer möglichen Genehmigung dauert es noch zwei Jahre.“ Ein anderes Mittel namens Mycosin sei zu teuer, und ob aus dem Braunalgenextract etwas wird, der die Abwehrstoffproduktion der Blüten erhöhen soll, steht derzeit ebenfalls noch in den Sternen. „Wir wissen nicht“, räumt Höfert ein, „was uns im kommenden Jahr als Alternativmittel zur Verfügung steht. Es ist leider so, dass kaum eine Firma bereit ist, für die Herstellung eines zugelassenen Mittels zur Bekämpfung des Feuerbrands viel Geld in die Hand zu nehmen.“

Kampf geht weiter

Geht es nach Landwirtschaftslandesrat Erich Schwärzler (61), sollen weitere Anstrengungen hinsichtlich der Entwicklung von biologischen Mitteln gegen den Feuerbrand unternommen werden, auch als Beitrag für die Bienengesundheit. „Es ist erforderlich, gemäß dem Ergebnis des Interreg-Projekts ‚Gemeinsam gegen Feuerbrand‘ in Zusammenarbeit mit der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit geeignete Alternativmittel für den Praxiseinsatz und die Bienengesundheit verfügbar zu machen und auch die Entwicklung robuster Sorten für den Obstbau weiter voranzutreiben“, macht Schwärzler deutlich.

Es wurden Blütenproben rund um den Bodensee genommen. Bakterien fand man nur wenige.

Ulrich Höfert