Der Karren ist ziemlich verfahren

Sport / 12.05.2015 • 21:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hatten es schon lustiger miteinander: Anna Fenninger und ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. Foto: gepa
Hatten es schon lustiger miteinander: Anna Fenninger und ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. Foto: gepa

Anna Fenninger fühlt sich vom Skiverband genötigt und droht mit Rücktritt.

Innsbruck. (VN) Anna Fenninger benutzt das Wort „Nötigung“, sie hätte aber auch schreiben können: Ich werde erpresst. Wie auch immer: Die Olympiasiegerin im Super-G, dreifache Weltmeisterin und zweimalige Gesamtweltcupsiegerin droht mit dem Rücktritt.

Der bereits seit Monaten schwelende Konflikt zwischen der Skirennläuferin und dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) steht damit vor der Eskalation. Es geht in der Auseinandersetzung vor allem um ihren deutschen Manager Klaus Kärcher.

Der Manager geht vor

Fenninger hatte in der E-Mail an Präsident Peter Schröcksnadel und weitere Personen, die der „Sportwoche“ vorliegt, und aus der das Online-Portal „Sportnet“ zitierte, den ÖSV aufgrund seiner ablehnenden Haltung gegenüber Kärcher scharf kritisiert. „Ich arbeite nun seit drei Jahren mit meinem Management sehr erfolgreich zusammen, meine größten Erfolge konnte ich in dieser Zeit erzielen. Vor diesem Hintergrund empfinde ich das Verlangen nach einer Trennung als hochgradig unangemessen, um nicht von Nötigung zu sprechen.“ Sie werde sich nicht von Kärcher trennen. „Bevor ich diesem Wunsch entspreche, werde ich meine aktive Karriere beim ÖSV mit sofortiger Wirkung beenden.“

Fenninger kritisierte auch die Regelung ihrer sportlichen Betreuung. „Die Unklarheiten im Hinblick auf meine sportliche Betreuung, insbesondere die Beschäftigung von Peter Meliessnig, sind für mich unerträglich. Das ist nicht die Art Unterstützung, die ich von meinem Verband erwarte, den ich in sportlicher Hinsicht nach Kräften unterstütze“, meinte Fenninger und stellte dem Verband ein Ultimatum von drei Tagen, diesbezüglich eine Aussage zu treffen.

Der ÖSV betont, dass sich jeder Aktive des Verbandes von Personen seiner Wahl beraten lassen könne. „Demzufolge hat der ÖSV auch nicht von Fenninger verlangt, sich von ihrem Berater zu trennen“, heißt es in einer Stellungnahme. Außerdem habe der Verband eine Zusammenarbeit angeboten: „Leider ist das Management von Anna diesem Angebot nicht gefolgt, womit für eine Zusammenarbeit derzeit die Gesprächsbasis fehlt.“ Der Karren scheint ziemlich verfahren: Sowohl Fenninger als auch Schröcksnadel werden als „sture“ Charaktere bezeichnet.

Geld für einen Trainer fehlt

Für Damen-Cheftrainer Jürgen Kriechbaum kam Fenningers Schritt überraschend. „Anna hat derzeit bereits einen Individualbetreuer und somit schon eigentlich mehr als jede andere im Team“, sagt er im Sky-Interview. „Es ist gar nicht so einfach, zusätzliches Budget dafür zu finden. Ein Betreuer kostet an die 100.000 Euro. Dieses Geld bräuchte es und das ist im Moment nicht da.“ Fenninger soll nicht glücklich darüber sein, dass ihre Forderungen publik wurden. Die 25-Jährige urlaubt in Zypern und wurde von den Medienberichten überrascht. Der ÖSV behauptet, das E-Mail sei über eine deutsche Adresse an die Öffentlichkeit gelangt.

Der Skiverband hatte Fenninger in der Vergangenheit einen Sponsorendeal angeboten: Autohersteller Audi und Fruchtsaftproduzent Rauch sollten gemeinsam mit dem Ski-Ass werben. Das Angebot wurde aber abgelehnt, als Alternative wurde damals Raiffeisen an Bord genommen.