Durchdachte Lösung

Vorarlberg / 12.05.2015 • 20:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sonnenkollektoren sammeln Sonnenwärme auf dem Dach der Familie Widerin in Hörbranz.  Foto: Markus Gmeiner
Sonnenkollektoren sammeln Sonnenwärme auf dem Dach der Familie Widerin in Hörbranz. Foto: Markus Gmeiner

Mit der Umstellung der Heizung hat sich Familie Widerin weitgehende Unabhängigkeit gesichert.

Hörbranz. Es war ein typisches Vorarlberger Eigenheim, das 1973 erbaute Einfamilienhaus der Familie Widerin aus Hörbranz. „Eines, wie es nach wie vor hundertfach in Vorarlberg zu finden ist“, erklärt Eigentümer Peter Widerin. Und heute?

Die vor zehn Jahren erfolgte Sanierung zeigte energetisch wie optisch Wirkung; aus dem einst klassischen 1970er-Jahre-Haus zauberte die Familie ein modernes Mehrfamilienhaus. Neu und besonders ist vor allem die Haustechnik, die Widerin vor zwei Jahren nachgerüstet hat. Mit einer Solar- und Photovoltaikanlage sowie einer Erdsonde hat die Hörbranzer Familie jedenfalls den Puls der Zeit erwischt.

Bereits vor der Umrüstung der Heizungstechnik konnte dank der vor zehn Jahren erfolgten Sanierung der Heizölbedarf von ursprünglich 4500 Liter auf 2500 Liter pro Jahr reduziert werden – bei gleichzeitiger Verdoppelung des Wohnraumes. „Uns war schon damals klar, dass wir die Ölheizung früher oder später ersetzen“, bekräftigt der Familienvater. Wichtige Vorbereitungen – etwa die Installation einer Fußbodenheizung – wurden bereits im Rahmen der Haussanierung getroffen.

Systemspeicher

2013 folgte schließlich die neue Heizung – und die hat es, vor allem dank der Detailverliebtheit des Physikers, in sich. Sieben Sonnenkollektoren sorgen seither für behagliche Wärme und Warmwasser für die Familie und die Schwiegermutter im ersten Stock. Herz der Anlage ist ein zentraler Hygiene-Systemspeicher im Keller. Dieser dient als eine Art „Sammel- und Verteilzentrale“ der produzierten Wärme. Das heißt: Die Wärme kommt entweder solar oder via Wärmepumpe in den Speicher. Durch den Wärmetauscher im Speicher ist das Brauchwasser immer frisch. So stellt das System sicher, dass sich keine Legio­nellen bilden können. Der Clou: Sobald das kalte Ende des Speichers 50 Grad Celsius erreicht hat, wird die von der Solaranlage produzierte Wärme in die Erdwärmesonde umgeleitet.

Als „aktive Sondenregenerierung“ wird dieser Prozess bezeichnet. Vor allem in den ersten Monaten der Heizperiode wird durch die dem Boden zugeführte Wärme die Temperatur der Sonde um mehrere Grad und somit die Effizienz erhöht. „Unsere Wärmepumpe erreichte im vorigen Jahr eine Arbeitszahl von 4,6“, freut sich Peter Widerin. Das heißt: 4,6 Mal mehr Wärme liefert die Wärmepumpe als Strom zum Betrieb aufgewendet werden muss – ein überdurchschnittlich guter Wert.

Apropos Strom: Die 8,8-kW-peak-Photovoltaikanlage am Dach deckt netto fast den kompletten Bedarf des Haushaltes ab. Zwei Drittel des produzierten Stroms wird in das VKW-Netz eingespeist, ein Drittel für den Eigenbedarf verwendet.

„Wir wollten eine zukunftsfähige Lösung“, erklärt der Familienvater die Investition in die neue Heizungstechnik. Eine Investition, die sich in rund 15 Jahren (Heizungsumbau) beziehungsweise zehn Jahren (PV-Anlage) auch in wirtschaftlicher Hinsicht bezahlt gemacht haben wird, so die Berechnungen des Hausbesitzers. Ökologisch und emotional hat sie das bereits heute: „Wir sind nicht länger auf Öl oder Gas angewiesen, nur noch auf die unmittelbaren Rahmenbedingungen in der Region. Diese weitgehende Unabhängigkeit ist beruhigend“, betont Peter Widerin.

Klar war, dass wir die Ölheizung früher oder später ersetzen.

Peter Widerin, Hörbranz

„Best Practice“ ist eine redaktionell unabhängige Serie der VN mit Unterstützung der Landesregierung.