Feine Töne für eine sehr starke Frau

Kultur / 12.05.2015 • 21:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sopranistin Frauke Burg und Fabian Pablo Müller (Bariton-Saxophon) boten ein Werk von Zesses Seglias dar.  Foto: BF/Anja Köhler
Sopranistin Frauke Burg und Fabian Pablo Müller (Bariton-Saxophon) boten ein Werk von Zesses Seglias dar. Foto: BF/Anja Köhler

Genau genommen haben die Festspiele mit der Öffnung des „Opernateliers“ bereits begonnen.

Bregenz. (VN-cd) Als absolute Neuerung unter der neuen Intendantin Elisabeth Sobotka haben die Bregenzer Festspiele die Installierung eines „Opernateliers“ angekündigt, in dem Kunst erst geschaffen wird. Mit einer Merkwürdigkeit wird man dabei allerdings zurande kommen müssen, das Werk, von dem es bislang nur wenige Libretto- und noch weniger Partitur-Passagen gibt, basiert auf einem Roman von Virginia Woolf. Dass die britische Schriftstellerin (1882-1941) nun wirklich nicht dem eigens hervorgehobenen zeitgenössischen Kunstschaffen zuzuordnen ist, scheint vorerst niemanden zu stören. Regisseur und Librettist Ernst Marianne Binder (geb. 1953) und der Komponist Zesses Seglias (geb. 1984) boten nun, gut zwei Monate vor der Eröffnung der Festspiel-Saison, einen Einblick in das, was sie in den nächsten zwei Jahren in Bregenz zusammenführt.

Der Titel „Opernatelier“ steht somit vorerst für Veranstaltungen im Kunsthaus, das als Labor dient, und Kooperationspartner der Festspiele ist. Am Montagabend gruppierten sich vor allem die Mitglieder der Festspielvereins um Binder, Seglias und den moderierenden Dramaturgen Olaf A. Schmitt.

 

Die Stimme

Der aus Griechenland stammende Komponist und Krenek-Preisträger und der bekannte österreichische Autor und Regisseur haben in Graz bereits zusammengearbeitet. Dritter Protagonist im „Opernatelier“ wird Heimo Zobernig sein. Der Künstler des jüngst eröffneten Österreich-Pavillons auf der Biennale in Venedig agiert für die Festspiele als Bühnenbildner. Während optisch wohl noch alles unklar ist, darf man sich akustisch auf die Konzentration auf die Stimme einstellen. Auch eine winzige Hörprobe lässt erkennen, dass Frauke Burg weder Furcht vor der Höhe noch vor sonstiger Ausreizung der Möglichkeiten hat. Marimbaphon, Schlagzeug und Bassklarinette wurden als kontrastierende Instrumente eingesetzt. Über die Orchestrierung wissen wir vorerst nichts, wohl aber ließ Binder erfahren, dass er Virginia Woolfs „To the Lighthouse“ mit der starken Mrs. Ramsay als Material verwendet, aus dem er nicht nur die in der Vorlage nicht vorhandenen Dialoge filtert, sondern auch die subtilen Mechanismen, die unsere scheinbar alltäglichen Entscheidungen beeinflussen.

Bemerkenswert ist, dass auch die österreichische Komponistin Olga Neuwirth für ein Auftragswerk der Wiener Staatsoper auf ein Woolf-Werk zurückgreift, nämlich auf „Orlando“.

Virginia Woolf erzählt eine Geschichte über das Menschsein.

Regisseur Ernst M. Binder

Die Uraufführung der Oper wird in der Bregenzer Festspielsaison 2017 stattfinden.