Flüchtlingskatastrophe nun auch vor Indonesien

Politik / 12.05.2015 • 22:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rettungskräfte im Mittelmeer nähern sich Bootsflüchtlingen. Ähnliche Szenen spielen sich immer öfter auch vor Indonesiens Küsten ab.  FOTO: EPA
Rettungskräfte im Mittelmeer nähern sich Bootsflüchtlingen. Ähnliche Szenen spielen sich immer öfter auch vor Indonesiens Küsten ab. FOTO: EPA

Tausende Bootsflüchtlinge treiben vor den Küsten in Südostasien. Rettung nicht in Sicht.

Langkawi. (VN) Nach dem Mittelmeer droht auch in Südostasien eine Flüchtlingskatastrophe. Tausende Menschen aus Myanmar und Bangladesch treiben in Booten vor den Küsten Malaysias und Indonesiens – doch beide Länder zeigten am Dienstag trotz der Appelle von Hilfsorganisationen keine Bereitschaft, sie aufzunehmen.

Aus Indonesien hieß es, die Flüchtlinge – meist Muslime der in Myanmar verfolgten Minderheit der Rohingya – sollen in die Länder weiterfahren, die sie eigentlich wollten, meistens Malaysia.

Mit Proviant weggeschickt

Die malaysische Marine hingegen erklärte, sie lasse nur Flüchtlinge an Land, deren Schiff gesunken sei. Etliche malaysische Kriegsschiffe patrouillieren inzwischen rund um die Insel Langkawi am Eingang der Straße von Malakka. Dort waren am Wochenende mehr als 1000 Flüchtlinge gelandet. Ein Militärsprecher erklärte: „Wir lassen keine ausländischen Boote rein.“ Würden Flüchtlinge auf seetüchtigen Booten vorgefunden, „wird ihnen Proviant gegeben und sie werden weggeschickt“. Nur Schiffbrüchige würden geborgen. In der indonesischen Provinz Aceh auf der anderen Seite der Meerenge waren am Wochenende knapp 1000 Flüchtlinge gestrandet. Ein Sprecher der indonesischen Marine sagte, einige Flüchtlinge seien auf ihrem Weg nach Malaysia vom Kurs abgekommen. „Wir haben sie nicht abgehalten, unser Territorium zu betreten. Allerdings war ihr Zielland nicht Indonesien. Also forderten wir sie auf, weiterzufahren.“

Tausende auf hoher See

In den Gewässern vor Aceh, Malaysia und Thailand werden rund 6000 Bangladescher und Rohingya aus Myanmar vermutet. Sie seien auf überfüllten Booten unterwegs, hätten kaum noch zu essen und zu trinken und seien in großer Gefahr, erklärte Chris Lewa, Direktorin des Arkakan-Hilfsprojekts in Myanmar. Viele Menschen seien entkräftet gestorben.

Die Rohingya werden seit Jahrzehnten in Myanmar diskriminiert und verfolgt. Jüngste Angriffe aus der buddhistischen Bevölkerungsmehrheit auf die Rohingya haben den größten Flüchtlingsstrom seit dem Vietnamkrieg ausgelöst. Hunderte wurden getötet, Hunderttausende aus ihren Häusern vertrieben. Sie leben in überfüllten Feldlagern, haben weder Zugang zu medizinischer Hilfe noch zu Schulen. Mehr als 100.000 Menschen sind inzwischen an Bord von Schiffen gegangen. Es gibt rund 1,3 Millionen Rohingya.

Aus Sorge vor einer Katastrophe in der dicht befahrenen Malakkastraße waren das UN-Flüchtlingshilfswerk, die USA sowie weitere Regierungen und Organisationen zu Krisensitzungen zusammengekommen, hatten sich jedoch nicht auf eine Suchaktion einigen können. Eine der offenen Fragen ist, was mit den Rohingya geschehen soll, falls eine Rettung in die Wege geleitet würde. Der Minderheit wird in Myanmar die Staatsbürgerschaft verweigert. Andere Länder befürchten, dass eine Öffnung ihrer Grenzen für einige Rohingya eine nicht zu bewältigende Flut an weiteren armen Migranten nach sich ziehe.